Was ist eigentlich….? Teil 2: Apfelsaftkonzentrat

Ein Schreckenswort geht um im Kreis der Apfelweinfreunde: Apfelsaftkonzentrat. Immer wieder mal ist die Rede von “Lügenwirten” und “Lügenkelterern”, die ihren Kunden aus Konzentrat hergestellten Apfelwein anbieten und Redaktionen schicken alle Jahre wieder Reporter aus, die investigativ recherchieren sollen, wer wofür Konzentrat verwendet oder nicht.

Was ist denn Apfelsaftkonzentrat? Der Name sagt es, es ist konzentrierter Apfelsaft. Eingedickter Apfelsaft. Apfelsdicksaft. Andere Dicksäfte werden in der Küche verwendet um Speisen zu süßen, dazu dient zB Agavendicksaft. Dicksaft klingt gleich viel weniger schlimm als Konzentrat, freundlich und ein bisschen nach Reformhaus. Der größte Anteil der bei uns verkauften Fruchstäfte ist selbstverständlich aus Konzentrat hergestellt.

Früher wurde Fruchtsaft tatsächlich mittels Hitze konzentriert. Auf diese Weise eingedickter Saft schmeckt fahl und lasch, Hitze tut dem Saft nicht gut. Ein Wein aus so einem Konzentrat schmeckt einfach nicht mehr so, wie er schmecken soll. Heute wird das aber anders gemacht. Die Säfte werden nicht mehr durch Erhitzen konzentriert, sondern mittels Vakuum. Dieses Verfahren schont die Aromen und Inhaltsstoffe der Früchte.

Säfte werden aus unterschiedlichen Gründen konzentriert. Das Volumen wird verringert, das spart Lagerkosten. Menschen, die sich mit Konzentraten auskennen, sagen, das Konzentrieren des Saftes trage zur Qualitätssicherung bei. Wenn dann neuer Apfelwein oder Apfelsaft gebraucht wird, wird der Saft einfach rückverdünnt. Soll er Wein werden, kommt eine Hefe dazu und er wird vergoren. Natürlich ist es auch viel einfacher, Konzentrat einzukaufen und zu verwenden, als aufwendig Äpfel ernten und verarbeiten zu müssen…

Besonders die großen Keltereien sind mitunter auf Konzentrate angewiesen. Die Rohstoffe für Ihre Produkte stehen überhaupt nicht in dem Umfang zur Verfügung, der gebraucht wird, um all den Apfelwein herzustellen. Man könnte natürlich auch eine Diskussion darüber anfangen, ob große Keltereien nicht etwas mehr für Erhalt und Wohlergehen von Streuobstwiesen tun könnten, von wo sie ihre Äpfel dann auch wieder beziehen könnten.

“Konzentrat ist heute an der Tagesordnung”, so sagte uns einmal ein Getränkeanalytiker an der Lehr- und Forschungsanstalt in Geisenheim. Der Mann muss es wissen. Und er hat gar nichts gegen den Einsatz von Konzentraten. Warum auch. Wenn das Konzentrat aus gutem Kelterobst mit den richtigen Säurewerten hergestellt wurde, ist daran eigentlich nichts auszusetzen.

Das Problem ist aber, dass die entsprechenden Hersteller mit keiner Silbe auf dem Etikett erwähnen, dass der Apfelwein aus Konzentrat hergestellt wurde. Wohl ahnend, was dann geschehen würde. Keltereien, die auf ihren Etiketten gern den Vermerk anbringen würden, dass Sie Apfelweine ohne Konzentrat herstellen, und davon gibt es einige!, würden sich wohmöglich schwerstem Ärger aussetzen. Manche dieser Keltereien behelfen sich dann damit, dass Sie sich “Direktsaftbetrieb” nennen…  Ein zweites Problem ist, dass man nicht erfährt, woher die Äpfel stammen, die für das Konzentrat verwendet wurden und welche Säurewerte diese hatten (und ob evtl mit künstlicher Säure nachgeholfen werden musste?). Stammen Sie aus dem Intensivanbau? Wie oft wurden die Äpfel mit welchen Mitteln gespritzt,…?

Auch im Fall des Konzentrats wieder: Etikettenschwindel. Auch auf Nachfrage bei denen, die im entsprechenden “Verdacht” stehen, verneinen diese. Wer seinen Apfelwein aus Konzentrat herstellt, begeht kein Verbrechen. Manche derer schmecken auch schlicht gut. Aber wir Verbraucher verlangen Ehrlichkeit auf dem Etikett und wir wollen richtige Informationen. Dann wollen wir mit den zusammengesammelten Informationen unsere Entscheidung für oder gegen den Kauf eines Produkts treffen. Wir wollen nicht im Unklaren gelassen werden über die Produktionsweise eines Erzeugnisses.

Zu guter Letzt: Mit Genusskultur hat ein aus Konzentrat hergestellter Apfelwein rein gar nichts zu tun. Wir werden also immer eher einen Apfelwein aus handwerklicher Herstellung wählen.

2 Gedanken zu „Was ist eigentlich….? Teil 2: Apfelsaftkonzentrat“

  1. Die zahlen ja auch nichts für einen Zentner. 2011 um die 2-3 Euro, wer macht sich da noch die Arbeit.

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