Wieder einmal möchten wir mit unserem Einkaufstip auf Apfelweinerzeugnisse einer kleinen Manufaktur hinweisen, die auch im Supermarkt um die Ecke zu erwerben sind.
Hierbei handelt es sich um Apfelweine der Edelobstbrennerei Weidmann & Groh aus Friedberg-Ockstadt. Neben Edelobstbränden und Likören haben Weidmann & Groh auch fünf Apfelweine aus dem Jahr 2008 in ihrem Sortiment. Hierbei handelt es sich um zwei Lagenapfelweine mit dem Namen Rosbacher Köppel und Borsdorfer Röte zu je 2,50 EUR je Liter und einen sortenreinen Boskop zu 3,50 EUR. Abgerundet wird das Programm mit einem Apfelquittenwein mit dem lateinischen Namen cydonia, sowie dem Apfelbirnenwein pombiri, beide zu je 3,50 EUR. Letztere erfreuen sich besonders großer Beliebtheit und werden bald vergriffen sein.
Wir haben alle fünf Apfelweine probiert und waren durchaus angetan. Eine ausführliche Verkostung werden wir zeitnah ins Auge fassen. Vorab können wir sagen, dass alle einwandfrei sind und insgesamt etwas mehr Alkohol (6,5 bis 9,5 %vol) als die handelsüblichen Markenapfelweine haben.
Und wie kommt man an die Apfelweine? Friedberg-Ockstadt ist nicht aus der Welt, von Frankfurt erreicht man in 30 Minuten die kleine Brennerei und kann dort im Hofladen alle Produkte direkt erwerben. Im Rahmen der Innitiative LandMarkt Hessen (wir berichteten im Februar schon über den Apfelschaumwein der Kellerei Döhne) beliefert Weidmann und Groh im nördlichen Frankfurter Raum REWE-Märkte mit seinen Produkten. U.a. in Frankfurt-Bornheim, Heidestraße 137 oder Kieseleffstraße 6, in Bad Homburg. Welche Märkte darüber hinaus beliefert werden, kann telefonisch (06031 – 13 060) bei Weidmann & Groh erfragt werden.
Adresse: Weidmann & Groh GbR Ober Wöllstädter Str. 3 61169 Friedberg-Ockstadt
Telefon 06 031 – 13 060
Die Hessischen Wirtshauskelterer sind eine kleine, aber wackere Vereinigung von selbstkelternden Apfelweinwirten. Ihre Betriebe sind sozusagen in ganz Hessen verstreut. Ob gemeinsam in den in loser Reihenfolge über das Jahr verteilten Veranstaltungen – öffentliche Verkostungen, Menues mit korrespondierenden Apfelweinen aus den jeweiligen Betrieben – oder jeder der kelternden Wirte für sich durch Apfelweinabende, Schaukeltern oder den alltäglichen Dienst in der Wirtschaft: Die Wirtshauskelterer mühen sich redlich und erfolgreich, Aufmerksamkeit für den Apfelwein zu erzeugen, die Vielfalt aufzuzeigen, das Apfelweinselbermachen zu zeigen. Die Vereinigung hat so manche brancheninterne Debatte angeregt, etwa über die Art der Apfelweinbereitung oder den Umgang mit heimischen Baumäckern.
Der Slogan der selbstkelternden Gastronomen “Apfelwein geht auch anders” definiert deren eigenen Qualitätsanspruch und drückt die Distanz zu den Produkten der landauf und landab bekannten Markenapfelweine der großen Keltereien aus. Aber: Wer Qualität und Transparenz bei anderen fordert, sollte ein gutes Beispiel abgeben, dachten die Wirtshauskelterer. Wer mit Steinen wirft, sollte aufpassen, dass er nicht im Glashaus sitzt. Irgendwann musste eine Qualitätsoffensive her, denn in den sieben Betrieben wurde bislang auch nicht immer nur fehlerfreier Apfelwein von bester Qualität ausgeschenkt und in die Flasche gefüllt. Und einfach nur selbst keltern – das kann ja noch nicht genug Gegenentwurf zu den Produkten der großen Keltereien sein. Es muss auch was Vernünftiges dabei herauskommen.
Die Wirtshauskelterer begannen also eine Diskussion darüber, wie man zuverlässig gleichbleibende Qualität erreichen könne. Es wurde überlegt, wie Apfelweine in gleichbleibender Qualität und ohne nachträgliche Beeinträchtigungen in Flaschen zu füllen seien. Ihre neue ‘Apfelweinedition’ wurde auf dem Weingut Mengel-Eppelmann vom dortigen Kellermeister Jörg Eppelmann industriell filtriert, geschwefelt und steril abgefüllt. Zu guter Letzt wurden sie chemisch analysiert. Eine derartig umfassende Behandlung erfahren diese Weine sonst nicht, muss auch nicht unbedingt sein. Was uns besonders freut: Die Wirtshauskelterer haben die Idee aus unserem Buch “Hessens Apfelweine” aufgegriffen, Weine durch nachvollziehbare Analysewerte zu charakterisieren: Neben der gesetzlich vorgegebenen Alkoholangabe (%vol) finden wir Restzucker (g/l), Gesamtsäure (g/l) und Gesamtphenole (mg/l) auf den Rückenetiketten der jeweiligen Weine. So kann sich der, der sich ein bisschen auskennt und sich dafür interessiert, bereits vor dem Probieren einen Eindruck des Apfelweins verschaffen. Transparenz & Kundeninformation – das ist vorbildlich.
Ein bisschen skeptisch waren wir schon. Eingeschworene Verächter von Limonade in Apfelwein, Wein, Bier oder sonstwo, die wir nun einmal sind, waren wir sicher, dass das NICHTS für uns ist. Ausgeschlossen. Aber man muss auch mal über den eigenen Schatten springen, dachten wir uns.
Also haben wir uns neben einigen anderen (richtigen) Apfelweinen eine Auswahl derzeit verfügbarer Apfelweinmixgetränke besorgt und haben probiert:
Apfelwein-Grapefruit-Mix ‘Z‘ der Kelterei Höhl - Grapefruit dominiert Apfel. Keine wahrnehmbare Apfelsäure, leichte Kohlensäure, recht süß. Gut gekühlt erfrischend.
Den gleichnamigen Apfelwein-Cola-Mix aus gleichem Hause - den Geschmack kennt man von den Gummi-Colafläschchen aus der Tüte. Oder von Spezi. Einigen in der Runde - Colaliebhaber, klar – schmeckte das tatsächlich. Ehrlich gesagt: Uns geht das zu weit.
Den Apfelwein-Grapefruit-Mix ‘Grape – AP‘ der Kelterei Müller - Man schmeckt den Apfelwein leicht durch. Grapefruitaromen eher undeutlich, leicht flüchtige Säure, ziemlich süß.
Den Apfelwein-Grapefruit-Blutorange-Mix ‘Mix 3‘ der Kelterei Rothenbücher - der herbe Kerl unter den Apfelweinmixen. Blutorange und Grapefruit deutlich, Apfel eher nicht. Aber die Säure des Apfels ist markant. Macht den Mund wässrig. Gut.
Den “Fichtekranz” genannten Apfelwein-Maracuja-Pfirsich-Mix der Kelterei Heil - deutlich reifer Pfirsich. Jemand sagt “Gummibärchen”. Leider keine Kohlensäure, die das Getränk erfrischen würde. Ist da wirklich Apfelwein drin?
Sowie dessen mit “Kräutern” versetztes Pendant - ein Begriff macht die Runde: “Almdudler”. Und: Süßer als die entsprechende Bionade.
(Beide noch nicht im Handel, wohl erst ab Mitte Juli)
“Pink Apple” aus der Kelterei Herberth. Dieser ist als “Apfelweinmixgetränk” eigentlich nicht richtig kategorisiert. Es handelt sich dabei um einen rötlichen Apfelperlwein, mit Holunder versetzt - leichte Säure, weder Apfel noch Holunder sind deutlich schmeckbar. Schmeckt leicht alkoholisch. Leicht herb.
Und “Pure Cider” aus der Kelterei Possmann. Ein Mix aus Apfelwein, Apfelsaft, Kohlensäure und Zucker – Ein typischer Cider, Apfelweinig, frisch wie Saft mit reichlich Süße und wenig Alkohol. Sehr angenehm.
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