Stöffchefest 2009

Die Vereinigung der Apfelweinwirte Frankfurts feiert am 4. und 5. September wie jedes Jahr ihr Stöffchefest auf dem Römerberg in Frankfurt. Stand an Stand, Apfelwein fließt in Strömen, nur nicht aus dem Justitiabrunnen. Ein musikalisches Programm gibt Hilfe beim Schunkeln, emotionaler Höhepunkt ist die Krönung der neuen Apfelweinkönigin. Immer wieder lustig: Mit der Entourage Petra Roths über das Fest wackeln und die Kommentare der OB an den jeweiligen Ständen auffangen.

 

Was ist eigentlich…? Teil 4: Die Flüchtige Säure

Was ist eigentlich…? Teil 4: Die Flüchtige Säure

An der Flüchtigen Säure scheiden sich die Geister. Für die einen ist sie unverzichtbare Geschmackskomponente des Apfelweins, für die anderen Fehlton und Beweisstück für fehlerhafte Gärung und mangelnde Hygiene bei der Herstellung. An ihr, diesem flüchtigen Ding, scheiden sich die Geister. Aber wer oder was ist da eigentlich auf der Flucht?

Wenn ein Apfelwein eine deutlich wahrnehmbare Essignote aufweist, dann spricht der Fachmann davon, dass er Flüchtige Säure hat. Sie besteht überwiegend aus Essigsäure und kann bei Apfelweinen sensorisch leicht wahrgenommen werden. Hat ein Apfelwein Flüchtige Säure, kann man das am Geruch und am Geschmack leicht feststellen – den Essigstich muss man nicht lange erklären. Die nach den Leitsätzen für Obst- und Fruchtweine und Obst- und Fruchtschaumweine zulässige Höchstgrenze für die Flüchtige Säure liegt bei 1 g/l. Ist dieser Maximalwert überschritten, erachten Lebensmittelkontrolleure und Weinanalytiker den Apfelwein als nicht verkehrsfähig und empfehlen die Kläranlage oder den Verkauf an den Essigfabrikanten. Selbstverständlich ist der Genuss von Apfelweinen mit Essigstich nicht gesundheitsschädlich, auch wenn der Wert der Flüchtigen Säure bei mehr als 1 g/l liegt.

Häufige Ursachen für die Entstehung der Flüchtigen Säure: Essigsäurebakterien haben bereits in etwa durch Hagel, hungrige Vögel oder andere Einflüsse geschädigten Äpfeln Essigsäure gebildet. Eine zu langsam vorangehende Gärung, in deren Verlauf schädliche Bakterien nicht unterdrückt werden. Oxidation! Essigsäurebakterien wandeln nach der Gärung bei Zutritt von Luftsauerstoff den entstandenen Alkohol in Essigsäure um. Was kann man dagegen tun, wenn es zu spät ist? Nichts. Hat ein Apfelwein den “Essigdätsch”, hat er ihn. Rausholen ist nicht möglich. Gewerblichen Herstellern von Apfelweinen ist es untersagt, den fehlerhaften Apfelwein mit unbeeinträchtigtem Apfelwein zu verschneiden, um den Wert der Flüchtigen Säure zu minimieren.

Keltern Sie doch einfach selbst. Vorbereitung, Sortenwahl.

Es geht so einfach. Natürlich ist es jetzt noch zu früh, die geeigneten Sorten reifen noch eine ganze Weile am Baum. Aber es ist sicher kein Schaden, frühzeitig mit den Vorbereitungen anzufangen. Es gilt, ein paar Vorsichtsmaßnahmen zu treffen und sorgfältig zu arbeiten, aber das Apfelweinmachen ist wahrlich kein Hexenwerk. Und vor allem brauchen Sie kein Kaliumpyrosulfit, kein Enzym namens Pektinase, keine Nährsalze, keinen Zucker. All das und noch mehr wird einem in der allwissenden Müllhalde namens Internet immer wieder als notwendige Zutaten für einen gelungenen Apfelwein nahegelegt. Nach unserem Dafürhalten ist das Unsinn. Apfelwein ist ein Naturprodukt und so wollen wir ihn auch herstellen: natürlich. Deswegen verwenden wir selbstverständlichst auch keinen ins Tetrapak gefüllten Apfelsaft aus dem Supermarkt als Rohstoff.

Was sonst? Frisch gepressten Apfelmost natürlich. Und zwar einen von geeigneten Sorten, dann ist dieser ganze Firlefanz obsolet. Geeignete Sorten gibt es viele, Streuobstwiesen sind voll davon. Wir verwenden Sorten, die sowohl ordentlich Apfelsäure, als auch gute Gerbstoffwerte aufweisen. Ausreichender Fruchtzucker ist auch nicht schlecht, das bedeutet im Ende mehr Aroma. Wir empfehlen etwa den Boskoop (voller Name ‘Schöner von Boskoop’). Der verfügt über markante Apfelsäure und gute Fruchtzuckerwerte. Wenn Sie können, lassen Sie ihn bis Ende September am Baum reifen, das bringt beste Zucker- und Aromenwerte. Wenn Sie haben, geben Sie zum weinwerdenden Boskoopsaft frisch gepressten Saft vom Rheinischen Bohnapfel (auch toll: Zugabe von Speierling oder Mostbirnen, die den selben Zweck erfüllen). Den Bohnapfel können Sie gut bis Mitte November am Baum hängen lassen. Ein schmackhafter Speisapfel ist er dann zwar noch nicht  - zu hohe Säurewerte, plombenziehende Gerbstoffgehalte – aber er ist für die Apfelweinbereitung sehr gut geeignet. Seine Säure und Gerbstoffe sind das stabilisierende Rückgrat.