Fremde Federn, Teil 5: Scheiß auf Rothschild. Von Bernd Gerstacker.

Scheiß auf Rothschild.

Nix gegen einen ordentlichen Rotwein. Aber da es heute um Kultur gehen soll – speziell um Apfelweinkultur, möchte ich eine kleine Betrachtung zum Thema Kunst und Kultur im Zusammenhang mit Getränken loswerden. Wer anders als jemand aus Hamburg wäre besser geeignet, sich zur Kulturförderung zu äußern. Die letzten Monate haben gezeigt, dass die Hamburger darin wahre Spezialisten sind.

Um auf den obigen Rotwein zurückzukommen: Er ist mit einem Künstleretikett ausgestattet. Ob das nun den Künstler oder den Inhalt der Flasche adelt, sei dahingestellt. Miteinander zu tun haben beide jedenfalls eher wenig. (Es wird kolportiert, dass ein amerikanischer Künstler mit dem Wein, auf dem sein Etikett klebte, wenig anfangen konnte. Muss man von einem Amerikaner polnischer Abstammung, der unter anderem Colaflaschen und Suppendosen gemalt hat, aber auch nicht erwarten.) Ein bißchen mehr Zusammenhang wäre allerdings doch schön, wenn es nicht nur ein Marketinggag sein soll.

Bei most of apples versuchen wir da etwas anderes. Bei unseren art cidern reden wir mit dem Künstler, bevor wir das Getränk angehen. Wir fragen ihn nach seinen geschmacklichen Vorlieben. Und wir lassen uns damit bei jedem art cider wieder auf ein Experiment ein. Die Grundlage ist immer Apfel. Und zwar alte Sorten vom Streuobst aus der Elbtalaue. Bei unserer ersten art cider Edition mit Jay Ryan kamen dazu unter anderem Vanille, Pfefferschoten und Lavendelblüten, bei der zweiten mit Daniel Richter Quitte, Hagebutte und Waldmeister. Geschmacksrichtungen, die sich aus Gesprächen mit den Künstlern ergaben. Ob das Ganze funktioniert, zeigt sich dann immer erst nach einer Fassprobe nach mindestens 12 Monaten Barriqueausbau.

Wir machen jeweils immer nur ein Barrique pro Jahr. Die Flaschen werden nicht nur mit einem vom Künstler gestalteten Etikett versehen, sondern es gibt zu jeder eine signierte und nummerierte Originalgrafik in der Auflage von 400 Exemplaren. (Ein nettes Weihnachtsgeschenk übrigens für Kurzentschlossene…)

Fremde Federn, Teil 4. Das Apfelweinhinkelchen. Von Maria Nöll.

Zutaten:

4 – 6  Hühnerschenkel

3 – 4 Tassen Apfelwein ( Nöll )

1 Teel. Thymian

1 süße Sahne

1/4 l Hühnerbrühe

1 dicke Knoblauchzehe

Butter

Salz und Pfeffer

 

Zubereitung::

Hähnchenschenkel abwaschen, trocken tupfen, die Haut abziehen

und die Schenkel teilen.

Die Hähnchenteile in Mehl wälzen und in der heißen Butter von allen

Seiten goldgelb anbraten. Die Teile aus dem Topf nehmen und mit Salz und

Pfeffer würzen.

Knoblauch  gepresst in den Topf geben, das Fett mit 1-2 Tasse Apfelwein ablöschen,

einkochen lassen, noch einmal Apfelwein hinzu. (Vorgang wiederholen, so dass ein Fond entsteht!)

Wenn die Flüssigkeit um die Hälfte reduziert ist, die Hühnerbrühe dazu, Hähnchen –

schenkel in die Soße legen, den Thymian darüber streuen, alles nun 20 Min. köcheln

lassen. Nach Geschmack mit Pfeffer, Salz, Thymian und Apfelwein nachwürzen.

Am Ende  die süße Sahne in die Soße geben.

Als Beilage eignen sich Bandnudeln.

 

Guten  Appetit

Fremde Federn, Teil 3: Keltern bis der Winter kommt. Von Andreas Schneider

Keltern bis der Winter kommt! Das Jahr 2010 hatte es wirklich in sich! Das Frühjahr frostig, dass die Blüten gefroren. Der Sommer launisch, dass so kein rechtes Hoch aufkam und der Herbst klammheimlich … bis der Winter mit voller Kraft hereinbrach! Ja, das ist „Werkstatt unter freiem Himmel“)))Und so liebe ich`s aach! Den Jahreszeiten nun zum Werden und Wachsen freigesetzt, reift unser Stöffche auch „unter Schnee“ recht schee)))

Ihr glaubt`s net? Na dann meldet Euch an und schaut rein an unserer Jungweinprobe am 26.02.2011 um 14:00 Uhr und überzeugt Euch selbst! „8 Rohe Diamanten“ vom Fass funkeln im Glas! Zusätzlich gibt es Stockbrot, Bratwurst vom Holzgrill und würzig-duftendes Käseraclette))) Und wem die Zeit zu lang erscheint, der kann gerne Wochenends von 11:00 bis 18:00 Uhr nach einer winterlichen Wanderung durch die schöne, wildromantische Nieder-Erlenbacher Gemarkung auf ein heißes Glas Ebbelwei einkehren. Am traditionellen Neujahrstag geht der „Erste“ auf`s Haus und wer weiß … vielleicht geb` ich am End` noch einen aus … mit dem Schläuchelche vom Fass … weil`s mir so gut gefällt))))

Andreas Schneider bewirtschaftet im Frankfurter Stadtteil Nieder-Erlenbach den Obsthof am Steinberg. Auf rund 13 Hektar baut er über 160 verschiedene Obst- und Gemüsesorten an. Auch etwa 60 Apfelsorten werden dort angebaut und teilweise zum Frischverzehr und als Saft angeboten, teilweise zu Apfelweinen ausgebaut. Mit diesem Text beteiligt er sich an unserer losen Reihe fremde Federn, die wir zumindest noch bis Ende 2010 laufen lassen.

 

Fremde Federn, Teil 2: Vom Kochen mit Apfelwein. Von Andreas Eggenwirth.

Als slow-food-geprägter Mahner und Förderer für eine zukunftsorientierte Apfelweinqualität  bin ich wahrscheinlich dem einen
oder anderen schon bekannt.
Die von uns, der Apfel-Compagnie, veranstaltete Hessische Apfelweinsoiree mit den Verleihungen der Pommes d’Or für die
besten hessischen Apfelweine und –Sekte des Jahres ist ein Beleg dafür.

Doch den „Koch“ in mir habe ich bisher nur selten sprechen lassen. Jetzt nutze ich die Gelegenheit und bitte um ein kleines Ohr:

Ausgangspunkt ist das Kochen mit Apfelwein und wenn es besonders anspruchsvoll sein soll mit sortenreinen Apfelweinen.
Die klassische französische Küche ist seit Jahrhunderten ein lobendes Beispiel, hier wird mit Weiß- und Rotwein gekocht
und besonders raffinierte Rezepte fordern den Cognac ein.
Das von Könnern Gekochte schmeckt nicht nur besonders gut, sondern passt auch ideal zu den begleitenden Getränken.
Und alle sind zufrieden.

Die Entwicklung in der Vielfalt der Apfelweine lässt hoffen, dass die zögerlichen Anfänge in den feinen Küchen der Region
konsequenter umgesetzt werden.
Der damit mögliche Erfolg ist nur erreichbar, wenn Apfelwein-Macher und Köche sich ständig austauschen.
Die deutschen Weinmacher haben es uns in den 70er Jahren vorgemacht. Heute ist Deutscher Wein „In“.

Lasst uns beim Handkäs mit Musik beginnen: Weinessig raus, Apfelessig rein. Das wäre ein Anfang.

Meine Empfehlung zum Weihnachtsfest: Weißes Apfeltiramisu mit Mandelbaisers.
Rezept anfordern: info@gourmetconnect.de

Fremde Federn, Teil 1: Bembel hier und dort. Die Schankgefäße in der europäischen Apfelweinkultur. Von Eduardo Coto

Seit meiner Ankunft in Frankfurt bin ich mit den Gebräuchen rund um den Apfelwein in Kontakt. Was mich dabei von Anfang an am meisten fasziniert hat, ist der Bembel. Mit ihm kann man eine Reise in die Vergangenheit des Apfelweines und in die verschiedenen europäischen Regionen unternehmen, in denen man Krüge aus Holz oder Keramik benutzte, um dieses Getränk zu servieren.

In meiner Heimat Asturien hießen die Gefäße “Zapica“ oder “Canada“, beide waren aus Holz. Es wurden auch Keramikkrüge verwendet, die heute sehr schwer zu finden sind. Sie werden nur noch von wenigen Handwerkern hergestellt, die mit der traditionellen Herstellung dieser Krüge vertraut sind. Aber nicht nur in Asturien wurde der Apfelwein traditionell im Krug serviert, auch im Baskenland wurde die “Sagardoa“, so wird der Apfelwein dort genannt, in Krüge verschiedener Größen gefüllt. Jede Größe hatte einen eigenen Namen, die “Pitxerdi“ für einen Liter, die “Pinterdi“ für den halben Liter, die “Txikia“ für den viertel Liter und die “Txikierdi“ für einen achtel Liter. In der Bretagne verwendete man traditionell den „Pichet á cidre et bolée“, der Krug war entweder aus Holz oder Keramik. Die dazu passende Tasse, le bol, ist heute noch weit verbreitet und ist nach wie vor ein Erkennungszeichen der bretonischen culture de cidre. In England gab es die “Cider Jugs“, bauchige Tonkrüge mit Henkel, die verkorkt werden konnten. Die „Cider Mugs“, große Cider-Tassen, werden heute noch von Kunsthandwerkern hergestellt. Man sieht, der Bembel und seine regionalen Varianten sind in vielen Regionen Europas ein wichtiger Bestandteil der traditionellen Apfelweinkultur. Aber in keiner Region ist der Apfelweinkrug auch heute noch so gegenwärtig wie im Großraum Frankfurt, der Bembel. Hier gehört er zum Apfelwein wie das Amen in der Kirche.