Fremde Federn, Teil 1: Bembel hier und dort. Die Schankgefäße in der europäischen Apfelweinkultur. Von Eduardo Coto

Seit meiner Ankunft in Frankfurt bin ich mit den Gebräuchen rund um den Apfelwein in Kontakt. Was mich dabei von Anfang an am meisten fasziniert hat, ist der Bembel. Mit ihm kann man eine Reise in die Vergangenheit des Apfelweines und in die verschiedenen europäischen Regionen unternehmen, in denen man Krüge aus Holz oder Keramik benutzte, um dieses Getränk zu servieren.

In meiner Heimat Asturien hießen die Gefäße “Zapica“ oder “Canada“, beide waren aus Holz. Es wurden auch Keramikkrüge verwendet, die heute sehr schwer zu finden sind. Sie werden nur noch von wenigen Handwerkern hergestellt, die mit der traditionellen Herstellung dieser Krüge vertraut sind. Aber nicht nur in Asturien wurde der Apfelwein traditionell im Krug serviert, auch im Baskenland wurde die “Sagardoa“, so wird der Apfelwein dort genannt, in Krüge verschiedener Größen gefüllt. Jede Größe hatte einen eigenen Namen, die “Pitxerdi“ für einen Liter, die “Pinterdi“ für den halben Liter, die “Txikia“ für den viertel Liter und die “Txikierdi“ für einen achtel Liter. In der Bretagne verwendete man traditionell den „Pichet á cidre et bolée“, der Krug war entweder aus Holz oder Keramik. Die dazu passende Tasse, le bol, ist heute noch weit verbreitet und ist nach wie vor ein Erkennungszeichen der bretonischen culture de cidre. In England gab es die “Cider Jugs“, bauchige Tonkrüge mit Henkel, die verkorkt werden konnten. Die „Cider Mugs“, große Cider-Tassen, werden heute noch von Kunsthandwerkern hergestellt. Man sieht, der Bembel und seine regionalen Varianten sind in vielen Regionen Europas ein wichtiger Bestandteil der traditionellen Apfelweinkultur. Aber in keiner Region ist der Apfelweinkrug auch heute noch so gegenwärtig wie im Großraum Frankfurt, der Bembel. Hier gehört er zum Apfelwein wie das Amen in der Kirche.

Eduardo Coto stammt aus Asturien und schon allein deswegen kennt er sich mit Apfelwein ziemlich gut aus. Er selbst sagt, dass man in Asturien Apfelwein – man sagt dort “Sidra” – trinkt wie anderswo Wasser. Berufsbedingt verbringt er auch die nächsten Jahre noch in Frankfurt, was ihn aber nicht davon abhält, regelmäßig in “La Sidra“, einer Asturischen Monatsschrift zum Thema, Artikel zu veröffentlichen. Die freie Zeit, die ihm bleibt, nutzt er unter anderem gern, um die hessische Apfelweinszene kennen zu lernen. Für uns eröffnet er den Reigen der fremden Federn, was uns besonders freut.

 

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