Das Viez-ABC.

Heute im Trierischen Volksfreund: Das Viez-ABC. Man kann etwas dabei lernen, etwa, dass man in der anderen Apfelweinregion in Deutschland gern Esskastastanien zum Viez (Apfelwein) trinkt. Lesenswert!

Hier der Link.

A Apfel: Grundsätzlich kann Viez aus jedem Apfel hergestellt werden. Je nach Sorte variiert aber der Geschmack.Während Tafeläpfel zwar gut zum Verzehr sind, sind typische Mostäpfel säuerlicher, eher klein, und sie haben harte Schalen. Verbreitet zur Viezherstellung in der Region Trier sind Holzäpfel wie der Porzenapfel sowie der rote und weiße Trierer Weinapfel.

B Birne: Reiner Birnenviez wird kaum noch produziert – ihm wird eine stark abführende Wirkung nachgesagt.
Bruderschaft: Die Trierer Viezbruderschaft, die am Samstag das Viezfest veranstaltet, existiert seit 2010. Ein kleiner Kreis von viezbegeisterten Männern hat sich damals als Verein zusammengefunden, der sich in seiner Satzung Heimatkunde und Heimatpflege rund um den Viez auf die Fahne geschrieben hat. “Das oberste Ziel des Vereins ist diese traditionelle Stellung des Viez, seine Herstellungsverfahren, das Brauchtum rund um den Viez und der dazugehörigen Viezporz für die Allgemeinheit zu erhalten und auszubauen”, heißt es in der Satzung. Es gibt derzeit zwölf Mitglieder, Präsident ist Hanspitt Weiler. Der Verein ist gemeinnützig, deshalb geht der Erlös des Festes auch an ein Streuobstwiesenprojekt.

C Cidre: Die französische Bezeichnung für Apfelwein.

Darm: Zu viel Viez hat mitunter durchschlagende, also abführende Wirkung. Was bei Verstopfung durchaus erwünscht sein kann, kann Ärzten zufolge aber auch bis zum Durchfall führen.

E Eisviez: Eine ungewöhnliche Idee, die 2002 in Fisch bei Saarburg geboren wurde. Michael Winter und Roland Lutz haben analog zum Eiswein schon mehrfach Eisviez produziert. Sie ließen dazu die Äpfel bis nach dem ersten Frost am Baum hängen und kelterten erst im Dezember. Ergebnis: der Most hatte über 100 Grad Oechsle, fast doppelt so viel wie normaler Most.
Essen: Zum Viez passen besonders gut herzhafte Gerichte. Besonders beliebt in Trier waren und sind Esskastanien (“Kesten”) mit Viez. Beim Trierer Viezfest auf dem Domfreihof gibt es aus der Küche des Walderdorffs unter anderem Traditionsgerichte wie Döppelappes und Teerdisch.

F Feste: Das Trierer Viezfest am Samstag auf dem Domfreihof ist an dieser Stelle eine Premiere. Es gibt schon andernorts Viezfeste, etwa im saarländischen Merzig, in Fisch (VG Saarburg) oder im Trierer Stadtteil Pfalzel. Besonderheit beim Trierer Viezfest vor dem Dom ist, dass mit diesem prominenten Veranstaltungsort Trierern und Gästen das regionale Spezialgetränk stärker ins Bewusstsein gebracht werden soll. Falls das Viezfest ein Erfolg ist, will die Viezbruderschaft es auf jeden Fall regelmäßig etablieren.

Gärung: Macht Traubensaft zu Wein oder Apfelmost zum Viez. Gärung ist ein biochemischer Prozess, bei dem Zucker angeregt durch Hefen in Alkohol umgewandelt wird. Je weniger Zucker im Most vorhanden ist, desto schneller läuft die Gärung. Beim Viez dauert sie zwischen drei und sechs Wochen. Im Herbst produzierter Most ist daher zumeist Ende November, Anfang Dezember trinkfertig.

H Hefe: Beim Hobby-Viez-Produzenten reichen die natürlichen Hefen im Apfel, um den Gärprozess in Gang zu setzen. Profi-Viez-Bauern setzen wie Winzer auch spezielle Hefen zu, die die Gärung beschleunigen. Die Hefe setzt sich während der Gärung im Viezfass ab. Wenn der Viez vergoren ist, wird er von der Hefe genommen, die Hefe also aus dem Fass entfernt.

I International: Was dem Trie rer sein Viez ist dem Hessen sein Äbbelwoi. Doch auch international gibt es diverse Varianten des Apfelweins. In Nordspanien, vor allem in Katalonien, wird er unter dem Namen Sidra gekeltert im Baskenland heißt er Zagardua. In Frankreich kommt Cidre in den Keller, in Großbritannien, den USA und Irland Cider. In Österreich und der Schweiz firmiert der vergorene Apfel- und Birnensaft wie in Teilen Süddeutschlands schlicht als Most.
Internet: Im Internet gibt es bisher nur vergleichsweise wenige Informationen über Viez. Eine gute Informationsquelle sind die gesammelten Artikel einer Themenwoche Viez im TV, die Sie unter www.volksfreund.de/viez finden. Im Internetnetzwerk Facebook gibt es eine Gruppe namens Viezfreunde mit fast 1000 Mitgliedern, überwiegend aus der Region Trier.

J Jahrgang: Gute Jahrgänge, weniger gute Jahrgänge, ein Jahrhundert-Jahrgang – eine ähnliche Unterscheidung wie beim Wein gibt es beim Apfelwein bisher eher nicht. Zwar gibt es sehr unterschiedlich gute oder schlechte Apfeljahre – aber die Unterscheidung bezieht sich meist eher auf die Menge des zur Verfügung stehenden Obstes. Dass man Viez nicht über Jahre vergleichen kann, liegt auch daran, dass er nicht über Jahre gelagert wird, sondern in der Regel gilt: Wenn die Äpfel im Herbst reif werden, ist es höchste Zeit, die Fässer des Vorjahres zu leeren.

K Kalorien: Viez gilt als besonders kalorienarmes Getränk. Im Schnitt enthält ein Viertelliter 80 bis 100 Kalorien. Zum Vergleich: Die gleiche Menge Pils schlägt mit 125 Kalorien zu Buche, ein Mosel-Kabinett mit 167.
Kelter: Das Wort Kelter kommt vom lateinischen calcatorium “Fußtretung”.
Königinnen: In mehreren Orten wie Merzig und Fisch und früher auch im Trierer Stadtteil Kernscheid gab und gibt es Viezköniginnen. Beim Viezfest in Trier wird als Gast um 20.30 Uhr Sandra I. vom Pulvermaar empfangen, Viezkönigin aus Schalkenmehren (Vulkaneifelkreis).

Limonade: Gehört so etwas Süßes wie Limo oder gar Cola in den Viez? Puristen sagen Nein und verziehen schon beim Viez-Sprudel missbilligend das Gesicht. Gerade für jüngere Vieztrinker macht das Versüßen den Viez aber eigentlich erst trinkbar.

Most: Während in Süddeutschland Most teilweise gleichbedeutend mit Apfelwein ist, ist mit Most in hiesigen Breiten das Ausgangsprodukt des Viezes gemeint, also der aus den Äpfeln gepresste Saft. Erst wenn der Most vergoren ist, wird er zum Viez.

Name: Woher hat der Viez seinen Namen? Viez komme aus dem Lateinischen von “vize” also “an Stelle von”, lautet die gängigste Erklärung. Begründung: Viez sei fürs Volk der Weinersatz gewesen. Einen Beleg dafür gibt es nicht. Auch das lateinische “vetus” wird angeführt. Es bedeutet alt und würde damit einen Gegensatz zum “mustum”, dem jungen Most, darstellen. Der Sprachwissenschaftler Johannes Kramer spricht sich aber für das lateinische “faex” als Ursprung des “Viez” aus. Faex bezeichnete zunächst die Weinhefe, dann aus Weinhefe per Aufguss hergestellten minderwertigen Wein, dann minderwertigen Wein allgemein und schließlich Obstwein.

Oechsle: In Grad Oechsle wird das Mostgewicht gemessen, das ist der Anteil der gelösten Stoffe im Most – hauptsächlich des Zuckers. Ein mittlerer Weinjahrgang hat 70 bis 80 Grad Oechsle. Beim Viez liegt das Mostgewicht zwischen 40 und 70 Grad Oechsle.

Porz: Was dem Bayer sein Humpen ist dem Trierer seine Porz. Der Name kommt wohl von Porzellan, und er ist aus ebensolchem. Hält den Apfelwein besonders gut kühl und fasst 0,4 Liter. Größter einheimischer Produzent sind die Gebrüder Plein in Speicher (Eifelkreis Bitburg-Prüm). Extra für das Trierer Viezfest sind Porzen mit dem Motiv “Viezmensch” des 1996 verstorbenen Trierer Originals und Künstlers Karl-Werner Bauer aufgelegt worden, in denen der Viez ausgeschenkt wird. Sie werden für ein Pfand von acht Euro ausgegeben. “Es war uns ein Herzensanliegen und eine Hommage an Karl-Werner Bauer, den etwas schrägen Trierer Künstler, der leider viel zu früh von uns gegangen ist” sagt Hanspitt Weiler, Präsident der Trierer Viezbruderschaft, “aber vielleicht ist es durch ihn auch wieder ein Anfang für eine wunderbare Serie von Künstler-Viezporzen für die kommenden Viezfeste.”

Qualität: Wie beim Wein so gibt es beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Mosel mittlerweile auch Qualitätsprüfungen für Viez. Jeder Produzent kann seinen Apfelwein dazu anmelden. Die DLR-Experten machen eine sensorische Prüfung, bewerten also beispielsweise Geruch, Geschmack und Harmonie auf einer Punkte skala. Die besten der jährlich 40 bis 50 Proben werden ausgezeichnet und können mit der DLR-Qualitätsurkunde für sich werben.

Reife: Für die Viezzubereitung ist der richtige Reifezeitpunkt der Äpfel entscheidend. Runter vom Baum müssen sie, wenn sie vollreif sind – das kann je nach Sorte zwischen August und Oktober sein. Reif sind sie, wenn die ersten Bäume vom Baum fallen, sich die übrigen leicht vom Baum schütteln lassen und sie noch nicht überreif sind.

Streuobstwiesen-Projekt: Die typischen Trierer Viezäpfel wachsen auf Streuobstwiesen – die allerdings auch in der Region vom Aussterben bedroht sind. Am Trierer Auguste-Viktoria-Gymnasium gibt es seit drei Jahren ein grünes Klassenzimmer-Projekt. Auf einer Wiese im Brettenbachtal wurden bereits 78 Obstbäume gepflanzt – allesamt alte gefährdete Obstsorten. Schüler haben Patenschaften für die Bäume übernommen und pflegen sie (der TV berichtete). Das Projekt soll nun mit der vierten Pflanzung im Herbst fortgesetzt werden – mit dem Erlös aus dem Trierer Viezfest.

Trester: Trester ist der ausgepresste Apfel, also das, was übrig bleibt, wenn die Frucht aus der Kelter fällt. Der Apfeltrester wird zur Düngung in der Landwirtschaft verwandt, teils auch von Bauern verfüttert.

Unternehmen: Darüber, wie viele Unternehmen sich mit Viez beschäftigen oder welche von ihnen vom Viez leben, gibt es keine Zahlen. Das liegt vor allem daran, dass für große wie kleine Safthersteller oder Winzer der Viez meist ein Nebenprodukt ist.

Vitamine: Im Viez enthalten sind die Vitamine A, B1, B2 und C – ein Grund, warum der Apfelwein als (vergleichsweise) gesundes Getränk angesehen wird. Der Anteil der Vitamine variiert von Apfelsorte zu Apfelsorte.

Weingesetz: Weinähnliche Getränke dürfen laut dem aus dem Jahr 1930 stammenden Weingesetz eigentlich nur so bezeichnet werden, wenn die darin vorkommenden Stoffe klar werden. Als Viez dürfte dieser also streng genommen gar nicht vermarktet werden, sondern nur als Apfelwein.

Zucker: Der Zuckergehalt der bei der Viezherstellung verwendeten Äpfel bestimmt den Alkoholgehalt. Im frisch gepressten Most liegt der Zuckergehalt zwischen neun und 19 Gramm pro Liter (40 bis 80 Grad Oechsle), nach der Gärung bleiben zwei bis vier Gramm übrig – ein Grund, warum der Viez als “Diabetiker-Getränk” gilt.

Ein Gedanke zu „Das Viez-ABC.“

  1. “In Nordspanien, vor allem in Katalonien, wird er unter dem Namen Sidra gekeltert im Baskenland heißt er Zagardua.”

    In katalonien es gibt kein sidra, nur in Asturien!!! ;)

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