Von der Anlieferung der Äpfel.

Es sind zumeist die Alten, die sich der Tradition verpflichtet fühlen. Oder sie machen es einfach, weil sie es einfach schon immer gemacht haben, es gewohnt sind, und weil sie es gut finden, die Äpfel der eigenen Bäume zur nächstgelegenen Kelterei zu bringen. Der Herr auf dem Photo bringt seine Äpfel in die Kelterei Rothenbücher, wo sie zu Saft und Wein aus sehr regionalem Kelterobst verwendet werden. Wer weiß, ob er weiß, welch wichtigen Beitrag er leistet.

Apfelanlieferung, Kelterei Rothenbücher

In der Regel bekommen die Lieferanten etwas Geld – gar nicht selten viel zu wenig; welche Mühe es macht, Äpfel vom Boden zu lesen, weiß nur, wer es schon mal gemacht hat. Wer da nicht entsprechend entlohnt wird, der lässt es lieber bleiben. Wo man sich darauf verständigt, Äpfel nicht mit Geld aufzuwiegen, gibt es von der Kelterei im Tausch Apfelsaft oder Apfelwein, je nach Menge von Äpfeln, die man angeliefert hat.

Apfelanlieferung, Kelterei Rothenbücher 1

Apfel und Hand 2

Der alte Herr liefert  seine Äpfel mit einem Traktor an, Jahrgang 1960, den er im gemütlichen, sehr gemütlichen Tempo über die Landstraße von seiner Wiese im Spessart bis zur Kelterei gelenkt hat.

Apfel und Hand 1

Apfelanlieferung, Kelterei Rothenbücher

Wo wären wir ohne die alten Streuobstwiesenbesitzer, Kleingärtner und Hausgärtner, die ihre Bäume in Schuss halten und im Herbst die Äpfel ernten oder vom Boden auflesen, damit sie nicht auf dem Boden verrotten? Ohne die Wenigen, die sich der Strapaze der Apfellese unterziehen, stünden wir alle noch dümmer da. Dennoch wär´s schön, wenn es mehr wären. Und auch die Jungen. Es müsste auch mal nachgepflanzt werden …

Rampe am Apfelsilo, Kelterei Rothenbücher

Fassgelagerter Boskoop. Herausforderung!

Aber die Farbe ist doch schon sagenhaft! Und die Schlieren im Glas lassen auf einen hohen Glyzerin-Gehalt schließen.

Aber die Farbe ist doch schon sagenhaft! Und die Schlieren im Glas lassen auf einen hohen Glyzerin-Gehalt schließen.

2012 im späten November haben wir einen Boskoopbaum geerntet. Die Äpfel wurden nicht gleich gepresst, sondern erst nach etwa 3 Wochen im kühlen Lager. Durch die Lagerung der Äpfel haben wir uns eine Konzentration des ohnehin schon recht hohen Zuckergehaltes erhofft, um auf diese Weise einen höheren Alkohlgehalt, eine andere Aromatik und mehr Fülle zu erreichen. Haben wir auch. Aber auch: eine Konzentration der Apfelsäure, die beim Boskoop  ohnehin schon recht hoch ist. Also hatten wir nach Ende der Gärung einen Apfelwein mit 11 g/l Säure: eine Herausforderung, auch für stahlharte Apfelweinenthusiasten. Ab 7 g/l steigt der Apfelweinfreund in der Regel aus – allerspätestens.

Dem ursprünglichen Plan folgend, haben wir den Apfelwein dann in ein bereits mehrfach belegtes Barrique gelegt, um den Alkoholgehalt zusätzlich zu erhöhen, und um dem Apfelwein leichte Holznoten mitzugeben. Das Ergebnis ist ein wunderbarer Apfelwein – die Barriquelagerung über wenige Monate brachte die gewünschten Aromen, der Apfelwein hat einen vollen, komplexen Charakter, bleibt nur eine Sache: die nach wie vor hohe Säure. Die hat sich durch die Fasslagerung um etwa 1 g/l abgebaut – immer noch zu hoch. Die nächsten Wochen werden bringen, wie wir das Ding lösen werden. Wir sind auf der Suche nach einem geeigneten Verschnittpartner. Abenteuer Apfelweinbereitung!

Frühherbst auf dem Baumacker.