Alle Beiträge von Konstantin Kalveram

Keine Zukunft für Streuobstwiesen?

Die Frankfurter Rundschau zeichnet in diesem Artikel über den schwindenden Streuobstbestand in Hessen ein düsteres Bild. Wiesen werden nicht gepflegt und verkommen zu Baumfriedhöfen, verschwundene Streuobstflächen werden nicht nachgepflanzt. In trauriger Regelmäßigkeit lesen wir Artikel mit Aussagen wie die hier abgedruckten. Fazit des Artikels: “Wir sind auf einem absteigenden Ast.”

Wer aktiv etwas gegen den Niedergang der Streuobstkultur machen möchte, kann das problemlos. Einrichtungen wie das Mainäppelhaus (Link unter Blogroll) helfen bei der Orientierung, örtliche Obst- und Gartenbauvereine vermitteln Streuobstpacht und -patenschaften.

 

Neues aus der Wissenschaft

Die Biodiversität ist in Gefahr. Und wer ist schuld? Wir Konsumenten und die Supermärkte und deren Bestücker. Kurzer, aber interessanter Artikel über Bestrebungen, vermittelst des Einsatzes modernster Technologien vom Aussterben bedrohte Apfelsorten für die Zukunft zu bewahren. Hier klicken.

 

Imagewandel/ Unser Blog in der Presse

Ein schöner Artikel auf der Seite der Stadt Frankfurt über viel frischen Wind.

Auszug aus einer Stelle über den Apfelweinblog: “Ein hessischer Identitätsstoff quasi, zu dem Bembel und Geripptes natürlich dazu gehören. Wenn auch nun manchmal in aufgepeppter Form. Aber es sind ohnehin nicht die Traditionsgefäße, die am Ruf des Apfelweins kratzen, glaubt Konstantin Kalveram. “Das Produkt braucht mehr Liebe und Respekt”, meint der 35 Jahre alte Frankfurter, der seit Jahren für einen besseren Ruf des Stöffchens kämpft. Deshalb hat er ein Buch über die Apfelweine Hessens geschrieben, bloggt in seinem Internettagebuch über Streifzüge durch Streuobstwiesen, zu Keltereien und Schänken. Mehr Ruhm und Ehre soll das der Region und dem Apfelwein bringen – und zum Wandel seines Images beitragen. Dass er häufig leider zu recht einen schlechten Ruf habe, meint Kalveram, liege auch am oft falschen Umgang der Wirte mit dem Produkt. Unsachgemäß gelagerte Fässer und zu hohe Temperaturen zerstören den Geschmack des Traditionserzeugnisses.”

 

Die Landkelterei Dietesheim, ein Branchenneuling.

Traurigerweise hört man eher Meldungen, dass wieder eine Kelterei den Betrieb einstellt, als dass eine Kelterei den Betrieb aufnimmt. Umso schöner, wenn das dann mal vorkommt. In Dietesheim gibt es seit ein paar Wochen wieder eine Kelterei, nachdem die letzte Kelterei des Dorfes vor 25 Jahren geschlossen wurde.

Die Mühlheimer Brüder Kai und Frank Böhm haben, unterstützt von Freunden und Familienmitgliedern, die Landkelterei Dietesheim gegründet. Sie verkaufen Apfelwein und Apfelsaft, in der Keltersaison kommen noch Süßer und Rauscher dazu. Lohnmost wird auch angeboten. Wir wünschen Glück und allezeit gute Geschäfte.

 

Kurz gemeldet! ApfelweinTV und Apfelweinartikel

Ahoi. Wir möchten auf zwei eher multimediale Beiträge hinweisen. Zum einen wurde am 15. Juni vom Verband der Hessischen Apfelwein- und Fruchtsaftkelterer e.V. die TV-Plattform www.apfelwein.tv ins Leben gerufen. Dies geschah in Zusammenarbeit mit der Qualitätsmarke “Geprüfte Qualität Hessen” und der Naturschutz Akademie.

“Das Einstellen von professionellen und privaten Videos ermöglicht es, den Apfelwein in seiner ganzen Vielfalt zu präsentieren. Keltereien können ihre Imagefilme zeigen und Apfelwein-Liebhaber ihre persönlichen Momente mit dem hessischen Nationalgetränk festhalten. Zum Start der Webseite suchen die Mitglieder des Verbandes der Hessischen Apfelwein- und Fruchtsaft-Keltereien e.V. den besten, kreativsten oder witzigsten Apfelwein-Film. Den Sieger und zehn seiner Freunde erwartet ein abwechslungsreicher Aktionstag in einer Kelterei.”

Der zweite Punkt ist ein Radiobeitrag von HR 4 über Artikel zum Thema Apfelwein. Berichtet wird über die Neuauflage des Apfelweinquartetts vom Frankfurter Spielbetrieb, Accessoires und Apfelweinzubehör von BEMBEL-WITH-CARE und rippi, dem Kindertrinkbecher für kleine Hessen, von BEMBELbabe.

Viel Spass beim Anschauen, Reinhören, Durchklicken und eventuellen Filme machen .

Selbstverständlich werden alle erwähnten Links in unsere Blogroll aufgenommen.

Beitrag HR4 Juni 2009 – Apfelweinartikel

 

Apfelweinabend im Frankfurter “Buchwald”

Wir weisen auf noch einen Termin im März hin.
Der neue Wirt im Buchwald Niko Funk wird am 28. März seinen ersten Apfelwein-Abend mit einer Auswahl der Apfelweine aus der Kelterei von Jörg Stier bestreiten. Die Apfelweine, die Küche des Buchwald und das gemütliche Interieur sind neben der Wirtshausmusike von Gerd Müller und den schoppen- und welterklärenden Ein- und Auslassungen des Keltermeisters Stier das, was diese Apfelweinabende im Buchwald bei vielen seit Jahren so beliebt machen. Infos und Reservierung unter 069/46003272.

 

Was ist eigentlich….? Teil 3: Die Streuobstwiese

Jeder hat schon mal eine gesehen, viele wissen aber nicht so richtig, was das überhaupt ist. Oft findet man sie am Stadtrand, auch am Rand von anderen landwirtschaftlichen Nutzflächen.

Was dem Winzer sein Weinberg, ist dem Kelterer seine Streuobstwiese. Sollte es zumindest sein. Je größer eine Kelterei, desto eher wird Obst sonstwoher dazugekauft. Das Alte Land und die Bodenseeregion etwa sind Apfelanbaugebiete, auf die dann zurückgegriffen werden kann.

Oder man kauft sich gleich Konzentrat, aber das ist wieder eine andere Sache. Es soll ja einen Kelterer geben, der gesagt haben soll: “Ich bin froh um jeden Apfel, der nicht auf meinen Hof gelangt.” Der hätte bei der Berufswahl vielleicht etwas länger überlegen sollen.

Auf einer Streuobstwiese stehen jedenfalls die Obstbäume wie verstreut herum, nicht in Reih´und Glied wie auf einer Plantage. Traditionell stehen dort Hochstämme, Bäume mit einem Astansatz ab ca 1,60-1,80 m. Auf diesen Wiesen, an diesen Bäumen, wachsen die Sorten, die für die Apfelweinherstellung gut geeignet sind. Schafsnase, Bohnapfel, Trierer Weinapfel, Heuchelheimer Schneeapfel, etc, pp. Sorten mit guten Gerbstoff- und Säurewerten. Seit längerem auch Goldparmäne, Boskoop und Kaiser Wilhelm. Die klassische Streuobstwiese wird doppelt genutzt. Unten Ackerbau, oben Obst. Natürlich nicht nur Äpfel, sondern auch Birnen, Zwetschgen, Kirschen, auch mal Quitten.

Die Streuobstwiese dient vielen Arten als Speisekammer und Wohnzimmer. Mit einer Vielfalt von 4-5000 Arten ist sie das artenreichste Biotop Europas. Biodiversität direkt vor der Haustür. Der Gartenrotschwanz ist etwa so eine besondere Art, die ohne Streuobstwiese noch seltener wäre. Auch der Steinkauz, Fledermausarten, der Grünspecht und verschiedene Orchideenarten fühlen sich in der Streuobstwiese besonders wohl und brauchen sie als Lebensraum.

Die Streuobstfläche in Hessen beträgt laut einer Biotopkartierung aus dem Jahr 2006 9.500 Hektar (Quelle: BUND). Das sind rund 0,5% der Hessischen Landesfläche. Heute dürfte die Fläche kleiner sein. Wachstum von Siedlungen und Gemeinden und andere Bauvorhaben dezimieren die Fläche immer mehr.

Aluminiumgehalt in vier Fruchtsäften und Apfelweinen

Aluminiumgehalt in vier Fruchtsäften und Apfelweinen

Lebensmittelprüfer des Hessischen Landeslabors haben in vier Fruchtsäften und Apfelweinen einen zu hohen Aluminiumgehalt festgestellt.

Hier geht es zum Artikel.

 

Was ist eigentlich….? Teil 2: Apfelsaftkonzentrat

Ein Schreckenswort geht um im Kreis der Apfelweinfreunde: Apfelsaftkonzentrat. Immer wieder mal ist die Rede von “Lügenwirten” und “Lügenkelterern”, die ihren Kunden aus Konzentrat hergestellten Apfelwein anbieten und Redaktionen schicken alle Jahre wieder Reporter aus, die investigativ recherchieren sollen, wer wofür Konzentrat verwendet oder nicht.

Was ist denn Apfelsaftkonzentrat? Der Name sagt es, es ist konzentrierter Apfelsaft. Eingedickter Apfelsaft. Apfelsdicksaft. Andere Dicksäfte werden in der Küche verwendet um Speisen zu süßen, dazu dient zB Agavendicksaft. Dicksaft klingt gleich viel weniger schlimm als Konzentrat, freundlich und ein bisschen nach Reformhaus. Der größte Anteil der bei uns verkauften Fruchstäfte ist selbstverständlich aus Konzentrat hergestellt.

Früher wurde Fruchtsaft tatsächlich mittels Hitze konzentriert. Auf diese Weise eingedickter Saft schmeckt fahl und lasch, Hitze tut dem Saft nicht gut. Ein Wein aus so einem Konzentrat schmeckt einfach nicht mehr so, wie er schmecken soll. Heute wird das aber anders gemacht. Die Säfte werden nicht mehr durch Erhitzen konzentriert, sondern mittels Vakuum. Dieses Verfahren schont die Aromen und Inhaltsstoffe der Früchte.

Säfte werden aus unterschiedlichen Gründen konzentriert. Das Volumen wird verringert, das spart Lagerkosten. Menschen, die sich mit Konzentraten auskennen, sagen, das Konzentrieren des Saftes trage zur Qualitätssicherung bei. Wenn dann neuer Apfelwein oder Apfelsaft gebraucht wird, wird der Saft einfach rückverdünnt. Soll er Wein werden, kommt eine Hefe dazu und er wird vergoren. Natürlich ist es auch viel einfacher, Konzentrat einzukaufen und zu verwenden, als aufwendig Äpfel ernten und verarbeiten zu müssen…

Besonders die großen Keltereien sind mitunter auf Konzentrate angewiesen. Die Rohstoffe für Ihre Produkte stehen überhaupt nicht in dem Umfang zur Verfügung, der gebraucht wird, um all den Apfelwein herzustellen. Man könnte natürlich auch eine Diskussion darüber anfangen, ob große Keltereien nicht etwas mehr für Erhalt und Wohlergehen von Streuobstwiesen tun könnten, von wo sie ihre Äpfel dann auch wieder beziehen könnten.

Was ist eigentlich…? Teil 1: Der Speierling.

Entgegen der landläufigen Meinung ist der Speierling weder Apfel noch Birne. Er gehört in die Familie der Sorbusfrüchte. Lateinischer Name: Sorbus domestica. Andere Sorbusarten sind die Mehlbeere (Sorbus aria), die Elsbeere (Sorbus torminalis), und die Vogelbeere oder Eberesche (Sorbus aucuparia).

Zum richtigen Zeitpunkt und vor der Reife (Mitte bis Ende September) geerntet, enthält der Speierling einen ausgesprochen hohen Gersbstoffanteil. Dann schmeckt er so bitter und wirkt so stark zusammenziehend (adstringierend) auf die Mundschleimhaut, dass man das abgebissene Stück auf schnellstem Wege wieder ausspeien möchte. Daher der Name.

Gibt man Speierlingssaft (unreif!) an den zu vergärenden Apfelsaft, und zwar nicht mehr als 1 oder 2 % davon, treiben diese Gerbstoffe oder Polyphenole die Gärung des Apfelweins voran, machen ihn stabiler, konservieren ihn und geben ihm den typischen, harmonischen Geschmack, einen glänzenden, goldenen Farbton und eine leicht herbe, adstringierende Note. Je mehr Speierling, desto adstringierender. Zuviel macht den Apfelwein schnell bitter.

Der Speierling ist ein absolutes Qualitätsmerkmal für einen Apfelwein. Weil Ernte und Verarbeitung kostspielig und nicht ganz einfach sind und weil vornhemlich großen Keltereibetrieben die Sache zu kostspielig und aufwendig wurde, hat die Branche ihre Leitsätze kurzerhand geändert. In der nachgebesserten Version ist “Speierling” die Typisierungsbezeichnung für einen “gerbstoff- und säurebetonten” Apfelwein. Soll heißen: Jeder kann “Speierling” aufs Etikett schreiben, es muss aber keiner in der Flasche drin sein. Etikettenschwindel ist das. Am besten also: nachfragen.

Ist der Speierling reif, sieht er scheußlich-bräunlich-matschig aus, schmeckt aber 1a. Ein bisschen wie Marzipan. Hineinbeißen lohnt sehr. Bis ein Speierlingsbaum trägt, können gut 20 Jahre ins Land gehen. Die riesigen, landschaftsprägenden Bäume können bis zu 200 Jahre alt werden und so lange tragen sie auch.