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Des einen Freud´

Die Freude der Kelterer war in diesem Jahr, als es an die Ernte ging, und die Qualität der Äpfel feststand, einhellig groß. Ein üppiges Apfeljahr versprach randvolle Tanks, die Ballance aus Sonnen- und Regentagen zur richtigen Zeit wurde als optimal beschrieben, die Behangdichte der Bäume ebenfalls. Es gab nicht nur außerordentlich viele, sondern auch wohlschmeckende Äpfel. Zucker und Säure ausgewogen. Außerdem kam es Gott sei Dank – anders als etwa im Vorjahr – nicht zur Invasion der Frostspanner, jener gefräßigen Räupchen, die einer Ernte arg zusetzen können. Kurz und knapp: Das Apfeljahr war gut. Die Weine, die in den Tanks der Keltereien liegen, versprechen viel.

Anders ist es bei den Winzern im Rheingau. “Das trübste Jahr seit 1998” wird befürchtet, zu viel Kühle in den Frühlingsmonaten, wenig Sonnentage im Sommer für die volle Entfaltung der Zuckerwerte in den Weinbeeren, zu viel Sommerregen, wegen hoher Niederschläge und viel Luftfeuchtigkeit stagnierte im wichtigen Monat Oktober das Mostgewicht zwischen 80 und 85 Grad Oechsle. Für Rheingauweine nicht ideal.

Wir erlauben uns an dieser Stelle den Vergleich von Äpfeln mit Trauben und empfehlen auch den eingefleischten Weinfexen, im nächsten Jahr den ein oder anderen Apfelwein zu versuchen. Der Möglichkeiten sind genug.

 

Nachtrag “Apfelwein – Zuwachsraten”

Was bedeutet das “…aber leider nicht bei uns” eigentlich in Zahlen? Zur Verdeutlichung der Größe des hessischen Apfelweinmarktes hier ein Zitat aus einem Artikel der FAZ-Journalistin Jacqueline Vogt:

“In Deutschland verliert Apfelwein stetig an Akzeptanz, und weil die Szene ohnehin klein ist, fällt das umso mehr auf. 2006 haben die Keltereien in Deutschland 45 Millionen Liter Apfelwein abgesetzt – das ist gerade einmal der monatliche Ausstoß einer mittelgroßen Brauerei. Ende der Neunziger lag der Verbrauch in Deutschland noch bei 1,8 Litern je Kopf, zuletzt gemessen wurden 0,72 Liter.”

Hier geht´s zum kompletten Artikel.

Und das soll hier auf lange Sicht die letzte schlechte Meldung zum Thema Apfelwein gewesen sein.

 

Apfelwein – Zuwachsraten von 14% …

… aber leider nicht bei uns.

Wie der Schweizer Ableger der Nielsen Company in einer Pressemitteilung bekanntgegeben hat, ist Apfelwein weltweit das alkoholische Getränke mit der höchsten Zuwachsrate.

Apfelwein liegt mir einer Zuwachsrate von 14,4% vor Vodka mit 10,8% und anderen alkoholischen Mischgetränken und Bier mit ca.6%. Herausgefunden wurde dies im Rahmen der internationalen Studie der Nielsen Company,  «What’s hot around the Globe».

“Vor allem Grossbritannien, Irland, Litauen und Lettland zeigen ein starkes Wachstum in der Kategorie”

Als Begründung hierfür wurde angegeben, dass Apfelwein als ein süsses Getränk immer mehr als Alternative zu Bier genutzt wird. Man muss dabei berücksichtigen, dass Apfelwein in anderen Ländern teilweise mit mehr Restsüsse (z.B. Cidre in Frankreich) ausgebaut wird, oder die Zugabe von Zucker (Cider in UK) erlaubt und ganz alltäglich ist. Insofern muss man leider davon ausgehen, dass die Zuwachsrate eher nicht auf einen steigenden Apfelweinkonsum in Hessen zurückzuführen ist.

 

Stell Dir vor es ist ein Nationalgetränk und keiner geht hin

Wir sind immer noch und jedes Mal aufs Neue total erstaunt, wie wenig die Leute im Stammland, in der Mutterstadt des Apfelweins, über den Apfelwein wissen. Im Lauf des Jahres haben wir einige öffentliche Apfelweinverkostungen durchgeführt, im großen, wie im kleinen Rahmen, bei denen wir natürlich nicht nur den für die traditionelle Apfelweinbereitung typischen, knochentrockenen, durchgegorenen, mitunter kräftige Säure führenden Standardschoppen im Gepäck hatten, sondern auch Halbtrockenes, Sortenreines, kräftig adstringierendes, perlendes-schäumendes, mit Sherryhefen versetzes, etc pp. Und obwohl kleinere Keltereien wie die von Schneider, Stier, Schuch und andere für die große Vielfalt sorgen und auch, wenn mancher schon mal die trinkenswerten Apfelsekte von Nöll oder Possmann getrunken hat:

Die Hessen kennen Ihren Apfelwein nicht und haben keine Ahnung davon, was man damit und daraus machen kann. Die erste Reaktion ist oft genug Verblüffung.

Und wenn wir den Teilnehmern dann auch noch nicht das Gerippte in die Hand drücken, sondern ein sich nach oben verjüngendes Degustations- oder wenigstens ein Weißweinglas, in dem sich die Aromen des Apfelweines selbstverständlich ganz anders mitteilen, als im nach oben sich weitenden traditionellen Apfelweinglas, haben wir die Lacher ungewollt auf unserer Seite. Der Acker ist noch lang nicht bestellt. Das mit den unterschiedlichen Gläsern kann man schnell zuhause selbst ausprobieren. Man nehme ein Geripptes und ein Weißweinglas mit Stiel, das nach oben etwas enger wird, kaufe sich einen Apfelwein oder 2 oder 3 (und das müssen keine teureren Manufakturapfelweine sein, handelsüblicher Markenapfelwein tut es vollkommen und es gibt sehr gute) und lerne kennen, was ein Glas mit einem Wein anstellt. In jedes Glas einen Schluck, vergleichen.

Einen Weißwein trinken wir doch auch nicht aus dem Wasserglas. Zumindest nicht, wenn wir ihn kennen lernen wollen. Mehr zur Verkostung bald.

 

Tag 1

Heute ist Tag 1! Wir kriechen aus dem Ei.
Herzlich Willkommen beim Apfelweinblog!

Die hessische Apfelweinkultur ist ein schlafender Riese.
Mindestens jeder Rheinmain- und Frankfurtreisende kennt ihn -
Eingeborene sowieso -, jeder hat ihn schon mal getrunken, alle haben
eine Meinung dazu. Manchmal nicht die allerbeste. Wir zeigen, wie
vielseitig und besonders Apfelwein sein kann. Trocken ausgebaute,
säureführende Cuvées, Schaumweine mit feiner Perlage und
konzentrierten Apfelaromen, kräftige Sherrys, vollmundige Sortenreine
mit Restsüße – Apfelwein kann vieles sein. Nur als eines wollen wir
ihn nicht sehen: als Äppler, als billiges Weinsubstitut bar jeder
Kultur, das – vielleicht auch noch mit reichlich Wasser -
runtergesoffen wird, wenn der Durst die Kehle plagt.

Mit unseren Notizen wollen wir das Wissen um Apfelweine und die
Sensibilität dafür mehren. Das werden wir tun, indem wir regelmäßig -
nach Möglichkeit mehrmals in der Woche – aktuelle Einträge
veröffentlichen, Videos einstellen und anderes mehr. Wir besuchen
Kelterer, streifen durch die Steuobstwiesen, verkosten die Apfelweine
und geben unsere Begeisterung und unser Wissen über Apfelweine,
Apfelsorten und Streuobstwiesen an Sie weiter. Was wir nicht selbst
erklären können, erklären Fachleute aus der Branche: Von Zeit zu Zeit
bitten wir Kelterer, Sensoriker, Pomologen und andere Fachleute um
Gastbeiträge.

Natürlich wissen wir, dass dieser Blog noch lebendiger wird, wenn
nicht nur wir selbst ständig unsere Sicht der Dinge hier preisgeben.
Deswegen würden wir uns auch über Ihre rege Beteiligung sehr freuen.
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