Die Sommerpause ist rum, das Wetter ist schlecht, aber es gibt interessante Veranstaltungen.
Am Ende dieser Woche Woche beginnt nicht nur endlich das Apfelweinfest auf dem Rossmarkt, es findet auch ein dreitägiges, internationales Apfelweinfestival in Wales statt.Vom 12. bis zum 14.8. findet auf dem Grund des Llancaiach Fawr Manor, eines Landhauses aus dem 16.Jh., das erste International Craft Cider Festival in Wales statt. Eingeladen sind handwerkliche Apfelweinkeltereien aus Wales und dem Rest von England, Frankreich, Spanien, Irland und Deutschland.
Eine Truppe von 6 Frankfurter Apfelweinenthusiasten – also wir vom Apfelwein-Blog und Freunde - werden es übernehmen, den hessischen Apfelwein auf dem Festival zu vertreten. Wir werden Apfelweine und Spezialitäten von 6 hessischen Apfelweinbetrieben im über 1000 km entfernten Wales anbieten. Mit dabei sind die Produkte der Keltereien Nöll, Stier und Rothenbücher sowie des Apfelweinkontors und von Jürgen Krenzer und Dieter Walz.
Weitere Informationen unter internationalciderfestival.com

Willi Arnold, Herr der trockenen Apfelweine mit herrlicher Säure. (Foto: Hessische Wirtshauskelterer)
Am kommenden Donnerstag, 19.5.2011, findet ab 19 Uhr in der Buchscheer in Frankfurt-Sachsenhausen wie jedes Jahr im Mai eine Verkostung verschiedener Apfelweine der Hessischen Wirtshauskelterer statt. 7 Kelterer präsentieren den 2010er Jahrgang und erklären ihre Apfelweine und Spezialitäten. Ein lohnender Termin für jeden, der sich etwas eingehender mit der Materie befassen will. Auch mit dabei: Willi Arnold aus der Hainmühle in Homberg/Ohm (Foto), der uns mit seinen Charakterapfelweinen jedes Jahr auf´s Neue begeistert. Außerdem dabei: Robert Theobald (Buchscheer) und Jürgen Schuch (Schuchs Restaurant) aus Frankfurt, Jürgen Krenzer aus der Schaukelterei in Seiferts in der Rhön, Michael Stöckl aus der Landsteiner Mühle im Taunus, Armin Treusch (Treuschs Schwanen) und Peter Merkel (Gasthof Dornröschen) aus dem Odenwald. Eintritt: 12 EUR
wirklich toll eingefangen von Bill Bradshaw.
Klasse Fotos von dem vermeintlich ältesten Cidermaker Englands.

http://iamcider.blogspot.com/2011/05/frank-naish.html

Man glaubt es kaum, aber Apfelwein wird ja nicht nur in Hessen hergestellt und getrunken. England und Skandinavien produzieren ein vielfaches unserer Mengen, aber auch in Amerika gibt es Hersteller und kleine Manufakturen. Hier ist ein interessanter Bericht über Diane Flynt, die ihren “Hard Cider” in den Virigina Blue Ridge Mountains herstellt. Die Herstellung entspricht gegenüber den dort sonstigen Produktionsgegebenheiten (Zugabe von Zucker, anderen Früchten, etc.) eher unserem hessischen Schoppen.
Leider wird es recht schwierig, diesen Cider einmal zu probieren. Die Distribution beschränkt sich auf Virgina und Umgebung. Aber wir haben mal ein Mail geschickt ….
At Foggy Ridge Cider in the Virginia Blue Ridge Mountains, Cidermaker Diane Flynt combines innovation and tradition. Over 30 American, English and French apple varieties—ugly and hard to grow but full of the tannin, acid and aroma needed for fine cider—are blended to create a traditional hard cider crafted with modern techniques.
http://www.foggyridgecider.com/
http://www.youtube.com/watch?v=DVpl5Nu4qoo&feature=player_embedded
Seit meiner Ankunft in Frankfurt bin ich mit den Gebräuchen rund um den Apfelwein in Kontakt. Was mich dabei von Anfang an am meisten fasziniert hat, ist der Bembel. Mit ihm kann man eine Reise in die Vergangenheit des Apfelweines und in die verschiedenen europäischen Regionen unternehmen, in denen man Krüge aus Holz oder Keramik benutzte, um dieses Getränk zu servieren.
In meiner Heimat Asturien hießen die Gefäße “Zapica“ oder “Canada“, beide waren aus Holz. Es wurden auch Keramikkrüge verwendet, die heute sehr schwer zu finden sind. Sie werden nur noch von wenigen Handwerkern hergestellt, die mit der traditionellen Herstellung dieser Krüge vertraut sind. Aber nicht nur in Asturien wurde der Apfelwein traditionell im Krug serviert, auch im Baskenland wurde die “Sagardoa“, so wird der Apfelwein dort genannt, in Krüge verschiedener Größen gefüllt. Jede Größe hatte einen eigenen Namen, die “Pitxerdi“ für einen Liter, die “Pinterdi“ für den halben Liter, die “Txikia“ für den viertel Liter und die “Txikierdi“ für einen achtel Liter. In der Bretagne verwendete man traditionell den „Pichet á cidre et bolée“, der Krug war entweder aus Holz oder Keramik. Die dazu passende Tasse, le bol, ist heute noch weit verbreitet und ist nach wie vor ein Erkennungszeichen der bretonischen culture de cidre. In England gab es die “Cider Jugs“, bauchige Tonkrüge mit Henkel, die verkorkt werden konnten. Die „Cider Mugs“, große Cider-Tassen, werden heute noch von Kunsthandwerkern hergestellt. Man sieht, der Bembel und seine regionalen Varianten sind in vielen Regionen Europas ein wichtiger Bestandteil der traditionellen Apfelweinkultur. Aber in keiner Region ist der Apfelweinkrug auch heute noch so gegenwärtig wie im Großraum Frankfurt, der Bembel. Hier gehört er zum Apfelwein wie das Amen in der Kirche.
Dass er uns auf jeden Fall eine Flasche Apfelwein dortigen Ursprungs mitbringen solle, haben wir dem Freund noch rasch zugerufen, bevor er in den Flieger stieg, um seine USA-Reise anzutreten. Apfelwein in den Staaten, wie kämen wir denn auf die Idee? Na klar, entlang der Ostküste, bis hoch in die Neu-England-Staaten, und in anderen Gebieten auch, ist das eher die Regel als die Ausnahme. Natürlich mag es der Ami lieber süß, auch hat er nichts gegen blauen Farbstoff im Apfelwein (wir erinnern uns mit Grausen an den “Blue Hawaiian Applewine”), aber Apfelwein bleibt Apfelwein.
Auf die große Freude darüber, dass der Freund auf seiner Reise wirklich an unseren Cider gedacht hat, folgt die kleine Enttäuschung darüber, dass ja überhaupt kein Alkohol darin enthalten ist. Gleichviel. Der SAFT, der hier im Ciderpelz daherkommt, ist laut Etikett aus vollreifen Äpfeln gekeltert und schmeckt auch so. Zur Haltbarmachung ist er pasteurisiert und mit Kaliumsorbat versehen, ein Lebensmittelkonservierungsmittel, dass auch hierzulande eingesetzt wird. Sollten Sie also mal nach Vermont kommen: Besuchen Sie die Cold Hollow Cider Mill auf einen Schluck Apfelsaft.
Die internationale Apfelweinmesse “Sicer” im nordspanischen Gijon gehört bereits jetzt, obwohl sie erst zwei mal stattgefunden hat, zu den wichtigen Branchentreffs. Kelterer, die von dieser Veranstaltungen berichten, gebrauchen oft Superlative. Und wir können uns auch erklären, woher die Begeisterung dafür kommt: Rund 60 Hersteller aus aller Welt stellen Ihre Produkte aus. Apfelweinmacher aus Spanien, Russland, Deutschland, Argentinien, Kanada, Mexiko, Frankreich, England und der Schweiz präsentieren die Facetten weltweiter Apfelweinproduktion.
Unter all diesen Herstellern von Apfelstill- und -schaumweinen haben zwei Kelterer aus Hessen mit Ihren Produkten schöne Erfolge feiern können. Jürgen Krenzers 2004er trockener Apfelsherry aus dem schottischen Whiskeyfass ist zur originellsten Spezialität der Messe gekürt worden – und das gegen Konkurrenzprodukte etwa von “Domaine Pinnacle” und “La Face Cachee” (beides kanadische Ice-Cider), Jörg Geiger und dem normannischen Edelkelterer Earl Eric Bordelet. Das sind gewichtige Konkurrenten. Und die Entscheidung zu Gunsten des Rhöner Apfelsherrys ist vollkommen richtig. Krenzer hat sich durch jahrelange Experimente mit dieser Spielart des Apfelweins zum kenntnisreichen Produzenten hochwertiger Sherrys aus Äpfeln entwickelt. Probieren lohnt. Der zweite Hesse, der in Gijon reüssieren konnte, ist Armin Treusch. Wie Krenzers Apfelsherry landete dessen 2008er Reichelsheimer Weinapfel unter den besten 12 Apfelweinprodukten der Veranstaltung. Bei insgesamt mehr als 300 Obstweinspezialitäten, die in Gijon ausgestellt wurden, ein toller Erfolg.
Betrachtet man die Liste der Aussteller, kommt man nicht umhin festzustellen, dass die hessische Apfelweinbranche von kleinen und kleinsten Keltereien verteten wird. Dagegen ist an sich nichts einzuwenden, nur: Repräsentativ für Hessens Apfelweinproduktion sind diese Betriebe eher nicht. Schon alleine der geringen Mengen wegen, die in den Betrieben in aller Regel hergestellt werden. Wo sind die großen Vertreter der Zunft? Schade, dass zum Beispiel die Keltereien Rapp´s, Possmann und Heil die internationale Apfelweinmesse nicht nutzen, um sich mit Ihren Produkten zu präsentieren. Schon durch die hergestellten Mengen und die Ausrichtung auf den konventionellen, typisch hessischen Apfelweintyp sind sie prädestinierte Stellvertreter für den “Hessischen Apfelwein” und dessen internationale Repräsentation sollte selbstverständlich sein.
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