Kategorie-Archiv: Einkaufstipp

Köstliches aus dem Mühlviertel: Moste von Norbert Eder.

Unser Akzent liegt auf der hessischen Apfelweinkultur, aber von Zeit zu Zeit gönnen wir uns einen geschmacklichen Streifzug in andere Regionen. Überall dorthin, wo die verschiedensten Apfelweine hergestellt werden, sollte man einmal hinblicken und probieren, was man kriegen kann. Der Blick auf das Österreichische Mühlviertel oder ins Mostviertel lohnt im Besonderen.

Nicht nur wegen der ausgezeichneten Qualitäten, die dort erreicht werden, auch wegen der beispielhaften Verquickung von Tourismuskonzepten und Mostproduktion – dort greift eine Hand in die andere. So kommt es zu einer kulinarischen Kultur, von der wir hier – wenn es überhaupt je dazu kommt – noch weit entfernt sind.

Hier wie dort gibt es Probleme, die Imagewerte von Apfelwein und Birnenmost sind nicht die besten. Und hier wie dort gibt es junge Kelterer/Mostmacher, die ihren Produkten mehr als nur einen neuen Anstrich verpassen. Sie denken das Produkt neu. Einer dieser jungen, aufstrebenden, qualitätsversessenen Mostmacher in Österreich ist Norbert Eder. Der Landwirt und Mostsommelier hat vor Jahren den elterlichen Hof übernommen. Gemeinsam mit seiner Frau Eva bewirtschaftet er 20 Hektar Land, biologisch, hat Tiere, die man am Bauernhof so hat, baut Brotgetreide an und macht Saft und Most. Seit 2009 sind es 15.000 Liter. Das ist nicht unglaublich viel, aber Eder ist´s zufrieden. Denn, so sagt er: “Da kann ich noch für die Qualität einer jeden einzelnen Charge garantieren.” Er arbeitet hauptsächlich mit Streuobstbirnen, auch mal mit -äpfeln und eher die Ausnahme ist die Verwendung von Tafelobst. Wenn er das tut, dann “nur, um in ausgewählten Produkten die Möglichkeiten auszuloten”, so Eder. Also eine gewisse Milde ins Getränk zu bringen, beispielsweise. Der Grundgedanke ist und bleibt, die Streuobstbestände zu bewahren und deren geschmackliche Vorzüge zu präsentieren. Authentizität. Und wie macht er das gewinnbringend, Stichwort Imageprobleme? “Wir ignorieren die klassischen Mosttrinker und suchen uns unsere eigene Zielgruppe, in der wir tolle Erfolge haben”, ist die Antwort. Die Leute seien immer wieder überrascht, welche tollen Produkte man aus dem eigenen regionalen Obst machen kann. Mittlerweile habe sich eine Fangemeinde gebildet, die stolz auf die regionale Alternative zum trockenen Weißwein ist. Mehr Informationen findet der Interessierte hier.

Bereicherung im Supermarkt: “Bembel With Care” bei Rewe.

Ab sofort finden sich im Supermarkt die 0,5l-”Bembel With Care”-Dosen im Apfelweinregal der Rewe-Supermärkte, und bald, so angekündigt, auch in anderen Märkten. Und das nicht – weil es sich bei der Sache ja um eine odenwälder Stöffchen-Initiative handelt – lediglich ebendortselbst, sondern: hessenweit.

Die “Bembel-With-Care”-Idee, dem Apfelwein ein frischeres Image zu verpassen, sorgt schon seit einer Weile für Aufmerksamkeit und Sympathie. Der Vertrieb wuchs und wuchs, die Einigung mit der großen Supermarktkette dürfte das Sahnehäubchen auf den bisherigen Bemühungen der Initiatoren sein.

In den Dosen findet man den klaren Apfelwein der odenwäldischen Kelterei Krämer, der mit etwas mehr Süße als der nämliche Apfelwein in der Krämer-Flasche in die Dose gefüllt und mit Kohlensäure versehen wird.  Eine sauergespritzte Variante sowie eine mit koffeinhaltiger Brause versetzte sind ebenfalls erhältlich.

Händlerliste unter bembel-with-care.de.

 

Der Apfelwein für den 12. Mann. Possmanns Adlerschoppen.

An sich ist das ja nichts Besonderes, ein sauergespritzer Apfelwein in der Dose. Es ist halt ein sauergespritzer Apfelwein in der Dose, nicht mehr und nicht weniger. Aber in diesem Fall finden wir die Idee einfach grandios, auch weil der Apfelwein genau das macht, was man von ihm erwartet: er beduselt nur sehr langsam, erfrischt und bitzelt.

Wir zitieren vom Dosenrücken: “Der 12. Mann - Die Deutsche Meisterschaft, vor 50 Jahren. Das legendäre 3:7 gegen Real Madrid. Die Weltmeister Grabowski, Hölzenbein und Andi Möller. Oder Fußball 2000 mit Uwe Bein, Anthony Yeboah und Uli Stein. Fjörtoft’s Übersteiger zum 5:1. Ohne den 12. Mann wären die Erfolge der Eintracht undenkbar. Adler-Fan, das war noch nie was für schwache Herzen, da muss man kerngesund sein. Oder Frankfurter eben. An alle 12er, dieser Schoppe ist für Euch!” Die Identifikation, die Emotion – das hat entschieden etwas. Wenngleich das Produkt vielleicht auch eher durch die Leistung der Werbeleute hinter der Verpackung zu dem geworden ist, was es ist – die Sache funktioniert und macht Spaß. Der Adlerschoppen der Kelterei Possmann hat das Zeug zum Sommerhit.

 

Apfelwein-Merchandise-Shop am Frankfurter Römer

Zentral am Frankfurter Römer gelegen, vis a vis dem Römer, neben dem Lokal “Zum Römerbembel”, gibt es jetzt einen “Ebbelwoi Fan Shop”. Zu kaufen gibt es dort allerlei Merchandising-Produkte rund um das Stöffche, etwa Bücher (auch unseres), T-Shirts, Buttons, Bembel, Gläser und hast Du nicht gesehen. Natürlich gibt es dort auch ausgewählte Apfelweine und Apfelweinspezialitäten der Kelterei Possmann zu kaufen. Die Idee finden wir famos: Ein Laden rund um den Apfelwein dort, wo nun wirklich jeder Tourist seinen Fuß hinsetzt. Wer dann etwas tiefer in die Materie einsteigen will, überquert den Main und begibt sich in  Sachsenhausen in die Wallstraße 13 (im Hof) und lsst sich im Apfelweinkontor das große Sortiment hessischer Apfelweinproduktion nahebringen.

Demeter-Cidre aus Rosbach

Ein weiterer Hinweis darauf, dass, wer schmackhafte Cidres handwerklicher Herstellung kosten will, nicht bis in die Normandie reisen muss: Der Demeter-Cidre der Familie de Groote-Ernst aus Rosbach vor der Höhe entspricht durchaus den Erwartungen, die man an ein solches Getränk stellen kann.

Typisch für einen Cidre das kräftig-goldene Gelb. Die Nase nimmt die deutlichen Aromen vollreifen Obstes war, Honignoten auch. Das Spiel von Frucht und Säure ist an sich ausgewogen, der Cidre ist vielleicht ein klein wenig saftig. Da ist viel Restsüße im Spiel. Das ist aber kein Mangel. In Frankfurtreich stünde “Cidre Doux” auf dem Etikett. Ein Stück eher milden Camemberts dazu: Damit macht man sicher nichts falsch. Mit 3,5 vol% verfügt dieser ungeschwefelte Cidre über recht wenig Alkohol. Unaufdringlich die Gärkohlensäure, die den Cidre frisch und spritzig hält. Schade, dass im Internet nichts über die Hersteller herauszufinden ist. Wir fanden den Cidre in der Domäne Mechtildshausen, wo 0,75 Liter 4,75 EUR kosten. Wer Kontakt direkt zum Erzeuger aufnehmen mag, kann das vermittelst der auf dem Etikett angegebenen E-Mailadresse tun: hernstmsr1@aol.com

 

Rezept: Apfelgelee mit Apfelwein und Calvados

Wer Apfelgelee mag, kann die nun begonnene Keltersaison nutzen, ein leckeres Gelee aus frisch gekeltertem Süßen selbst zu kochen. Bestens geeignet für den Eigenbedarf oder als nettes Mitbringsel z.B. in Einweckgläsern. Die klassische Methode, die Äpfel mit einzukochen und mühsam zu passieren oder die Verwendung eines Dampfentsafters entfallen.

Bei vielen Keltereien kann man für kleines Geld frisch gekelterten Apfelsaft (Süßen) erwerben. Dies hat den Vorteil, dass die verwendeten Mostäpfel mehr Säure haben und damit das Gelee insgesamt fruchtiger, intensiver schmeckt. Wir wären aber nicht der Apfelweinblog, wenn wir nicht eine Apfelgelee-Apfelweinvariante empfehlen würden. Das Rezept ist beim herumprobieren entstanden und erfreut sich mittlerweile in verschiedenen Varianten großer Beliebtheit.

Man ersetzt einen Teil des Apfelsaftes durch Apfelwein und/ oder Calavados. Zu empfehlen sind trockene / säureführende Apfelweine, etwa Speierling-Apfelweine. Das Verhältnis Apfelsaft und Apfelwein/ Calavados sollte hierbei ungefähr 2/3 zu 1/3 betragen. Damit das Gelee nicht zu süß wird, nehmen wir 2:1 Gelierzucker die das pflanzliche Geliermittel Pektin erhalten, welches wiederum aus Äpfeln und Zitronen gewonnen wird.

Das folgende Rezept ist für 1,8 Liter Flüssigkeit und 1 kg Gelierzucker 2:1 ausgelegt. Man kann die Menge gerne halbieren oder verdoppeln. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es einfacher ist, eine größere Menge Gelee in mehreren Etappen zu kochen. Hierbei ist es wichtig den Kochtopf dazwischen immer wieder gründlich zu säubern. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Geleereste das neue Gelee schneller gelieren lassen und Geschmack und Haptik eher an Gummibärchen erinnert.

 

Zutaten:

1 kg Gelierzucker 2:1

1200 ml Apfelsaft (frisch gekelterte oder entsaftet)

400 ml Apfelwein / 200 ml Calvados

oder

600 ml Apfelwein

Die Mengenverhältnisse sind nicht festgeschrieben, man sollte ruhig ein bisschen herum experimentieren.

Würstchenschoppen. Ein Klecks Apfelweinsenf gefällig?

Das hier ist eine sehr nette Ergänzung auf dem Speisetisch des Apfelweinfreundes. Neben diversen Apfelwein(brat-, knack- und sonstigen)würsten, verschiedenen Varianten von Apfelweineis und Apfelweinbrot und Sonstigem gibt es nun auch einen Apfelweinsenf. In diesem kleinen, feinen Senfladen. Hergestellt mit dem Apfelwein, der in einem der vielen traditionsreichen Apfelweinlokale Frankfurt-Sachsenhausens ausgeschenkt wird.

Uns schmeckte der Apfelweinsenf ausgezeichnet zu Halsrippchen und Bratwurst nebst begleitendem Glas Apfelwein. Eher zurückhaltend scharf, mit fruchtiger Komponente, feiner Säure und einigen ungemahlenen Senfkörnern.

 

Schließlich ist bald Weihnachten. Und Silvester! Wir empfehlen Apfelschaumwein.

Apfelsekt, Abbelschambes, Was ist das eigentlich? Kleine Erklärung: Den ersten deutschen Schaumwein aus Äpfeln hat Carl Samuel Häusler hergestellt. Und das nicht, weil er so gern Champagner gemacht hätte, aber keine Trauben zur Hand hatte, sondern weil er wahrscheinlich ahnte, welch tolles Produkt ihm da gelingen würde. Wir wissen natürlich nichts von den geschmacklichen Eigenheiten der Häuslerschen Erzeugnisse, wissen aber um die Popularität von Apfelschaumweinen in der Folge. Schließlich wurde die Delikatesse von Deutschland aus in die ganze Welt geschickt. Hergestellt wird Apfelschaumwein (oder: sollte hergestellt werden) nach der Champagnermethode (ein Grundwein wird mit Champagnerhefen versetzt, gärt ein zweites Mal, kommt ins Rüttelpult, wird degorgiert).

Im niederschlesischen Grünberg lebte also besagter Erfinder und gründete eine Kellerei. 1820 stellte er seinen Apfelschaumwein her und war damit den deutschen Herstellern von Traubensekt um 8 Jahre voraus. Das Interesse an Apfelschaumweinen ging ab der Mitte der 1940er Jahre zurück, das Produkt verschwand von der Oberfläche. Erst Mitte der 1980er Jahre kam es durch die Arbeit kleiner Keltereien zu einer Renaissance, namentlich Jörg Stier (Maintal-Bischofsheim) machte sich um diese Wiedergeburt mit seinen Getränken verdient. Die Bandbreite von Perlendem und Schäumendem, die auch heute noch in diesem Betrieb hergestellt wird, ist lohnender Anreiz für einen Besuch dort.

Ein anderer Hersteller, der sein konventionelles, aber erstklassiges Apfelweinsortiment (unter anderem) mit hervorragenden Apfelschaumweinen abrundet, ist die Kelterei von Gerhard Nöll in Frankfurt. Freunden von extra trockenen Erzeugnissen sei der Apfelschaumwein in der Variante brut ans Herz gelegt, der Einsteiger und Freund von etwas mehr Restsüße entscheidet sich womöglich für den Apfelschaumwein trocken; diesen hatten wir neulich. Volle Aromen von spät geernteten Äpfeln, eine feine, toll ins Getränk eingebundene Perlage sowie eine angenehme Säure, machen dieses spritzige Getränk zu einem ausgesprochen trinkenswerten Begleiter der Weihnachtstage und -abende. Und bei 7,5 %vol darf man sich ruhig auch mal festtrinken an so einem Fläschchen.