Kategorie-Archiv: Fremde Federn

“Vom Apfel zum Wein” – Keltermeister Jörg Stier veröffentlicht Kelter-Leitfaden

Im Jahr 2000 hat Jörg Stier, Kelterer in der Maintaler Kelterei Stier, seinen Leitfaden “Vom Baum in den Bembel” herausgebracht. Viele, die sich damals für die Apfelweinbereitung interessierten und auf der privaten Ebene ihren eigenen Apfelwein im Keller bereiten wollten, kauften sich das Buch, so zählte es zur Ausstattung vieler Privatkelterer, die sich Ratschläge und Anleitung vom Profi erhofften.

Nachdem das Buch ein paar Jahre vom Markt verschwunden war, ist es 2013 wieder auf den Markt gekommen, als aktualisierte und erweiterte Neuauflage gewissermaßen. Nur heißt das Buch jetzt “Vom Apfel zum Wein”. Stier, der seinem Handwerk seit gut 30 Jahren nachgeht, und der ein glühender Verfechter eines strikt handwerklich gekelterten Apfelweines aus klassischem Streuobst – am besten aus ganz lokal geernteten Äpfeln – ist, erklärt dem Leser zuerst den Ursprungsort eines jeden Apfelweines – die Streuobstwiese. Warum wurden diese Wiesen angelegt, was wurde gepflanzt, welche Bedeutung haben sie heute, haben sie überhaupt noch eine?

Eine Passion Stiers sind die sauren Früchte Speierling, Schlehe, Quitte (deren lateinischer Name Cydonia oblonga ist, nicht, wie im Buch geschrieben Cydonis oblonga) und andere – sie und deren Bedeutung für die

Apfelweinbereitung werden so erklärt, dass auch der Laie sich daran machen kann, sie für die Apfelweinbereitung zu verwenden. Das Buch erklärt die Gärung und die Bedeutung der einzelnen Schritte auf dem Weg zum eigenen Apfelwein und erläutert die Wichtigkeit von Analyse und Kellerbuch.

Kurzum: “Vom Apfel zum Wein” ist ein informativer, unterhaltsam geschriebener Leitfaden, von einem geschrieben, der seinen reichen Erfahrungsschatz gern mit dem ambitionierten Laien teilt. Wer sich für die just beginnende Keltersaison fit machen will, wird dieses Büchlein gut gebrauchen können. Empfehlung!

Jörg Stier, Vom Apfel zum Wein, Cocon-Verlag
120 Seiten, Hardcover, ISBN 978-3-86314-222-3, 9,90 €

“Warum so sauer?” fragt die Frankfurter Rundschau

Die Frankfurter Rundschau vom Tage berichtet vom Auftritt des Stadtsoziologen Dr. habil. Peter Noller von der TU Darmstadt, der in der Stadtbücherei in der Hasengasse einen Vortrag über den „Geschmack von Frankfurt“ gehalten hat. Der Mensch kennt nicht unser Frankfurt, so viel ist mal klar. Nollers Äußerungen, die FR-Autor Stefan Behr in seinem Artikel wiedergibt, sind ziemlich olle Kamellen. Folgendes etwa:

„Nicht alle mögen diesen Geschmack“, sagt Noller und zitiert einen ehemaligen Frankfurter Amtsgerichtspräsidenten, den das Stöffche an „das säuerliche Sekret des Magens“ erinnerte.

Recht hat er. Es gibt Kaschemmen, die solches Gesöff ausschenken. Aber warum betreten der Amtsgerichtspräsident und Dr. Noller solche Etablissements und suchen nicht eines der vielen Apfelweinlokale auf, in denen eine Auswahl köstlicher Apfelweine ausgeschenkt wird?

Weiter:

Noller fachsimpelt über die „Wiener Gemütlichkeit“, die „nostalgisch-süß“ schmecke und der „Entschleunigung eines ganzen Lebensstils“ diene. Nicht so in Frankfurt, wo Gemütlichkeit „salzig-sauer“ einherkantappere und lediglich dazu diene, auf „Inseln der Gemütlichkeit“ wieder genug Kraft für das hektische, profitorientierte Leben einer Stadt zu schaffen, die um ihr Leben gerne Metropole wäre. Eine gemütliche Metropole, versteht sich, in der das Stöffche als „Kompensation der Zumutungen“ dient. Und das sieht dem Frankfurter mal wieder ähnlich: Eine Zumutung durch eine andere erträglicher machen zu wollen.

Larmoyanz, Ignoranz, Vorurteilspflege. Druff uff die genussunfähige Stadt, in der angeblich nur geschafft wird, und drauf auf den Apfelwein, die saure Gurkenbrühe, die in diesem Artikel nur zum Touristenverjagen taugt. Das ist langweilig.

letzte Kostprobe:

„Apfelwein ist in Frankfurt kein Volksgetränk mehr.“ Er existiere eigentlich nur noch als „Freizeitangebot an historischen Orten“, um eine potemkinsche Gemütlichkeit vorzuspiegeln, die es so gar nicht gibt, sondern die von Tourismusexperten erschaffen wird, um der Stadt ein Branding zu verleihen. „Weizenbier und Modegetränke“ hätten gerade bei der Jugend den Ebbelwei weitgehend abgelöst. Dass er dennoch allgegenwärtig im Stadtbild auftauche, dürfe über diese Tatsache nicht hinwegtäuschen.

Fremde Federn, Teil 3: Keltern bis der Winter kommt. Von Andreas Schneider

Keltern bis der Winter kommt! Das Jahr 2010 hatte es wirklich in sich! Das Frühjahr frostig, dass die Blüten gefroren. Der Sommer launisch, dass so kein rechtes Hoch aufkam und der Herbst klammheimlich … bis der Winter mit voller Kraft hereinbrach! Ja, das ist „Werkstatt unter freiem Himmel“)))Und so liebe ich`s aach! Den Jahreszeiten nun zum Werden und Wachsen freigesetzt, reift unser Stöffche auch „unter Schnee“ recht schee)))

Ihr glaubt`s net? Na dann meldet Euch an und schaut rein an unserer Jungweinprobe am 26.02.2011 um 14:00 Uhr und überzeugt Euch selbst! „8 Rohe Diamanten“ vom Fass funkeln im Glas! Zusätzlich gibt es Stockbrot, Bratwurst vom Holzgrill und würzig-duftendes Käseraclette))) Und wem die Zeit zu lang erscheint, der kann gerne Wochenends von 11:00 bis 18:00 Uhr nach einer winterlichen Wanderung durch die schöne, wildromantische Nieder-Erlenbacher Gemarkung auf ein heißes Glas Ebbelwei einkehren. Am traditionellen Neujahrstag geht der „Erste“ auf`s Haus und wer weiß … vielleicht geb` ich am End` noch einen aus … mit dem Schläuchelche vom Fass … weil`s mir so gut gefällt))))

Andreas Schneider bewirtschaftet im Frankfurter Stadtteil Nieder-Erlenbach den Obsthof am Steinberg. Auf rund 13 Hektar baut er über 160 verschiedene Obst- und Gemüsesorten an. Auch etwa 60 Apfelsorten werden dort angebaut und teilweise zum Frischverzehr und als Saft angeboten, teilweise zu Apfelweinen ausgebaut. Mit diesem Text beteiligt er sich an unserer losen Reihe fremde Federn, die wir zumindest noch bis Ende 2010 laufen lassen.

 

Fremde Federn, Teil 2: Vom Kochen mit Apfelwein. Von Andreas Eggenwirth.

Als slow-food-geprägter Mahner und Förderer für eine zukunftsorientierte Apfelweinqualität  bin ich wahrscheinlich dem einen
oder anderen schon bekannt.
Die von uns, der Apfel-Compagnie, veranstaltete Hessische Apfelweinsoiree mit den Verleihungen der Pommes d’Or für die
besten hessischen Apfelweine und –Sekte des Jahres ist ein Beleg dafür.

Doch den „Koch“ in mir habe ich bisher nur selten sprechen lassen. Jetzt nutze ich die Gelegenheit und bitte um ein kleines Ohr:

Ausgangspunkt ist das Kochen mit Apfelwein und wenn es besonders anspruchsvoll sein soll mit sortenreinen Apfelweinen.
Die klassische französische Küche ist seit Jahrhunderten ein lobendes Beispiel, hier wird mit Weiß- und Rotwein gekocht
und besonders raffinierte Rezepte fordern den Cognac ein.
Das von Könnern Gekochte schmeckt nicht nur besonders gut, sondern passt auch ideal zu den begleitenden Getränken.
Und alle sind zufrieden.

Die Entwicklung in der Vielfalt der Apfelweine lässt hoffen, dass die zögerlichen Anfänge in den feinen Küchen der Region
konsequenter umgesetzt werden.
Der damit mögliche Erfolg ist nur erreichbar, wenn Apfelwein-Macher und Köche sich ständig austauschen.
Die deutschen Weinmacher haben es uns in den 70er Jahren vorgemacht. Heute ist Deutscher Wein „In“.

Lasst uns beim Handkäs mit Musik beginnen: Weinessig raus, Apfelessig rein. Das wäre ein Anfang.

Meine Empfehlung zum Weihnachtsfest: Weißes Apfeltiramisu mit Mandelbaisers.
Rezept anfordern: info@gourmetconnect.de

Fremde Federn, Teil 1: Bembel hier und dort. Die Schankgefäße in der europäischen Apfelweinkultur. Von Eduardo Coto

Seit meiner Ankunft in Frankfurt bin ich mit den Gebräuchen rund um den Apfelwein in Kontakt. Was mich dabei von Anfang an am meisten fasziniert hat, ist der Bembel. Mit ihm kann man eine Reise in die Vergangenheit des Apfelweines und in die verschiedenen europäischen Regionen unternehmen, in denen man Krüge aus Holz oder Keramik benutzte, um dieses Getränk zu servieren.

In meiner Heimat Asturien hießen die Gefäße “Zapica“ oder “Canada“, beide waren aus Holz. Es wurden auch Keramikkrüge verwendet, die heute sehr schwer zu finden sind. Sie werden nur noch von wenigen Handwerkern hergestellt, die mit der traditionellen Herstellung dieser Krüge vertraut sind. Aber nicht nur in Asturien wurde der Apfelwein traditionell im Krug serviert, auch im Baskenland wurde die “Sagardoa“, so wird der Apfelwein dort genannt, in Krüge verschiedener Größen gefüllt. Jede Größe hatte einen eigenen Namen, die “Pitxerdi“ für einen Liter, die “Pinterdi“ für den halben Liter, die “Txikia“ für den viertel Liter und die “Txikierdi“ für einen achtel Liter. In der Bretagne verwendete man traditionell den „Pichet á cidre et bolée“, der Krug war entweder aus Holz oder Keramik. Die dazu passende Tasse, le bol, ist heute noch weit verbreitet und ist nach wie vor ein Erkennungszeichen der bretonischen culture de cidre. In England gab es die “Cider Jugs“, bauchige Tonkrüge mit Henkel, die verkorkt werden konnten. Die „Cider Mugs“, große Cider-Tassen, werden heute noch von Kunsthandwerkern hergestellt. Man sieht, der Bembel und seine regionalen Varianten sind in vielen Regionen Europas ein wichtiger Bestandteil der traditionellen Apfelweinkultur. Aber in keiner Region ist der Apfelweinkrug auch heute noch so gegenwärtig wie im Großraum Frankfurt, der Bembel. Hier gehört er zum Apfelwein wie das Amen in der Kirche.