Kategorie-Archiv: Keltereien

Von der Anlieferung der Äpfel.

Es sind zumeist die Alten, die sich der Tradition verpflichtet fühlen. Oder sie machen es einfach, weil sie es einfach schon immer gemacht haben, es gewohnt sind, und weil sie es gut finden, die Äpfel der eigenen Bäume zur nächstgelegenen Kelterei zu bringen. Der Herr auf dem Photo bringt seine Äpfel in die Kelterei Rothenbücher, wo sie zu Saft und Wein aus sehr regionalem Kelterobst verwendet werden. Wer weiß, ob er weiß, welch wichtigen Beitrag er leistet.

Apfelanlieferung, Kelterei Rothenbücher

In der Regel bekommen die Lieferanten etwas Geld – gar nicht selten viel zu wenig; welche Mühe es macht, Äpfel vom Boden zu lesen, weiß nur, wer es schon mal gemacht hat. Wer da nicht entsprechend entlohnt wird, der lässt es lieber bleiben. Wo man sich darauf verständigt, Äpfel nicht mit Geld aufzuwiegen, gibt es von der Kelterei im Tausch Apfelsaft oder Apfelwein, je nach Menge von Äpfeln, die man angeliefert hat.

Apfelanlieferung, Kelterei Rothenbücher 1

Apfel und Hand 2

Der alte Herr liefert  seine Äpfel mit einem Traktor an, Jahrgang 1960, den er im gemütlichen, sehr gemütlichen Tempo über die Landstraße von seiner Wiese im Spessart bis zur Kelterei gelenkt hat.

Apfel und Hand 1

Apfelanlieferung, Kelterei Rothenbücher

Wo wären wir ohne die alten Streuobstwiesenbesitzer, Kleingärtner und Hausgärtner, die ihre Bäume in Schuss halten und im Herbst die Äpfel ernten oder vom Boden auflesen, damit sie nicht auf dem Boden verrotten? Ohne die Wenigen, die sich der Strapaze der Apfellese unterziehen, stünden wir alle noch dümmer da. Dennoch wär´s schön, wenn es mehr wären. Und auch die Jungen. Es müsste auch mal nachgepflanzt werden …

Rampe am Apfelsilo, Kelterei Rothenbücher

Andreas Schneider in der Zeitung, Johanna Höhl im Radio

Schneider Faz Zwei Protagonisten der hessischen Apfelweinkeltereien-Branche waren am Wochenende in den Medien vertreten. Andreas Schneider vom Obsthof am Steinberg hat der FAZ ein Interview über seine Arbeit mit historischen Apfelsorten gegeben, Johanna Höhl, Chefin der gleichnamigen Kelterei war zu Gast in hr1-talk, einer Radio-Gesprächssendung des Hessischen Rundfunks.

Ralf & Holger Henrich vom Obsthof am Berg reüssieren auf der Destillata

Die Brüder Ralf und Holger Henrich, die gemeinsam den Krifteler Obsthof am Berg betreiben, waren auf der heurigen Destillata ausgesprochen erfolgreich. Auf der österreichischen Prämierung für internationale Spitzendestillate, an der in diesem Jahr 187 Betriebe aus 10 Nationen ( Argentinien, Deutschland, Italien, Namibia, Niederlande, Schweden, Schweiz, Slowakei, Ungarn und Österreich ) teilgenommen haben, wurden die Brüder als Newcomer des Jahres ausgezeichnet. Das Sortiment der mit großer Sorgfalt hersgestellten Obstbränden sowie die innovative Whisky-Schiene des sympathischen Betriebes scheint die Destillata-Juroren überzeugt zu haben. Der Publikums-Pomme d´Or 2012, den die Henrichs dann am letztvergangenen Sonntag von der Apfelcompagnie für ihren Apfel-Quitten-Tischwein des letzten Jahres überreicht bekommen haben, dürfte die Freude perfekt gemacht haben. Gratulation!

Possmann eröffnet Frankfurter-Äpfelwein-Botschaft

Die Kelterei Possmann hat in Rödelheim eine Apfelweinwirtschaft eröffnet, die Frankfurter-Äpfelwein-Botschaft. Gäste sollen sich dort “direkt an der Produktionsstätte von der einzigartigen Qualität unseres Äpfelweins überzeugen und die umfangreiche Palette unserer Produkte verkosten”, sagte Keltereichef Peter Possmann anlässlich der Eröffnung.  Website: frankfurter-apfelwein-botschaft.de

Der 2010er-Jahrgang der Hessischen Wirtshauskelterer

Wenn man so will, war der inoffizielle Beginn der Apfelweinsaison 2011 bereits im letzten November. Damals präsentierten die 7 Betriebe der Hessischen Wirtshauskelterer ihre “Neuen Hessen” im Frankfurter Apfelweinlokal “Zur Buchscheer”: die jungen Apfelweine des 2010er Jahrgangs, neu, ungestüm, rauh, überaschend fertig, frisch, vorübergehend in der Gärung stecken geblieben – vieles war dabei, man konnte einiges erschmecken an diesen jungen Weinen, man konnte sozusagen das volle (hessische) Apfelwein-Spektrum am Beispiel dieser Jungweine erkunden. Und man konnte anhand dieser ersten Proben einiges über das Selbstverständnis der Kelterer erfahren, über deren Herstellungsweise der Apfelweine und Herangehen an den Most. Jetzt, pünktlich zum Beginn der schönen Jahreszeit, haben die Hessischen Wirtshauskelterer zur Verkostung der fertigen Apfelweine des 2010er-Jahrgangs gebeten – an den selben Ort der Präsentation der jungen Weine. Wobei: Fertige Apfelweine gab es in diesem Jahr nicht an jedem Stand. Armin Treusch (Treuschs Schwanen, Reichelsheim im Odenwald) hatte seine gesamte Produktion noch nicht gefüllt, was wohl eine weitere Veränderung der in Tanks gelagerten Apfelweine zur Folge haben wird, Willi Arnold (Hainmühle, Homberg/Ohm) hatte seine Apfelweine, die er ohnehin das ganze Jahr über größtenteils in Tanks im kalten Keller lagert, in 5 Liter-Cubitainers abgefüllt. Desgleichen Robert Theobald (Buchscheer).

Leute im Gespräch.

Köstliches aus dem Mühlviertel: Moste von Norbert Eder.

Unser Akzent liegt auf der hessischen Apfelweinkultur, aber von Zeit zu Zeit gönnen wir uns einen geschmacklichen Streifzug in andere Regionen. Überall dorthin, wo die verschiedensten Apfelweine hergestellt werden, sollte man einmal hinblicken und probieren, was man kriegen kann. Der Blick auf das Österreichische Mühlviertel oder ins Mostviertel lohnt im Besonderen.

Nicht nur wegen der ausgezeichneten Qualitäten, die dort erreicht werden, auch wegen der beispielhaften Verquickung von Tourismuskonzepten und Mostproduktion – dort greift eine Hand in die andere. So kommt es zu einer kulinarischen Kultur, von der wir hier – wenn es überhaupt je dazu kommt – noch weit entfernt sind.

Hier wie dort gibt es Probleme, die Imagewerte von Apfelwein und Birnenmost sind nicht die besten. Und hier wie dort gibt es junge Kelterer/Mostmacher, die ihren Produkten mehr als nur einen neuen Anstrich verpassen. Sie denken das Produkt neu. Einer dieser jungen, aufstrebenden, qualitätsversessenen Mostmacher in Österreich ist Norbert Eder. Der Landwirt und Mostsommelier hat vor Jahren den elterlichen Hof übernommen. Gemeinsam mit seiner Frau Eva bewirtschaftet er 20 Hektar Land, biologisch, hat Tiere, die man am Bauernhof so hat, baut Brotgetreide an und macht Saft und Most. Seit 2009 sind es 15.000 Liter. Das ist nicht unglaublich viel, aber Eder ist´s zufrieden. Denn, so sagt er: “Da kann ich noch für die Qualität einer jeden einzelnen Charge garantieren.” Er arbeitet hauptsächlich mit Streuobstbirnen, auch mal mit -äpfeln und eher die Ausnahme ist die Verwendung von Tafelobst. Wenn er das tut, dann “nur, um in ausgewählten Produkten die Möglichkeiten auszuloten”, so Eder. Also eine gewisse Milde ins Getränk zu bringen, beispielsweise. Der Grundgedanke ist und bleibt, die Streuobstbestände zu bewahren und deren geschmackliche Vorzüge zu präsentieren. Authentizität. Und wie macht er das gewinnbringend, Stichwort Imageprobleme? “Wir ignorieren die klassischen Mosttrinker und suchen uns unsere eigene Zielgruppe, in der wir tolle Erfolge haben”, ist die Antwort. Die Leute seien immer wieder überrascht, welche tollen Produkte man aus dem eigenen regionalen Obst machen kann. Mittlerweile habe sich eine Fangemeinde gebildet, die stolz auf die regionale Alternative zum trockenen Weißwein ist. Mehr Informationen findet der Interessierte hier.

Staanemer Gold revisited

Es war einmal….In einer Zeit, die schon lange vergangen ist, gab es in jedem Dorf und jeder Stadt Wirte, die ihren eigenen Apfelwein gekeltert haben. Und es gab nicht nur einen hier und einen da, sondern jede Menge selbstkelternde Apfelweinwirte. Und bei keinem schmeckte der Apfelwein gleich. Unterschiedliche Sorten, unterschiedliche Herangehensweise und natürlich die Wildobstsorten Quitte, Schlehe, Speierling, Ebersche und Mispel, die früher mehr als heute bei der Apfelweinbereitung eine Geige spielten, sorgten dafür, dass der Apfelwein überall anders schmeckte.

Das Wildobst, das in einer Region häufig vorkam, wurde natürlich oft verwendet. Wurde er etwa in Sossenheim oder Kronberg gekeltert, wurde eher der Speierling verwendet, dort, wo etwa viele Quitten wuchsen, prägten sie den Geschmack des Apfelweins usw. So kam es, dass nicht nur von Wirtschaft zu Wirtschaft, sondern auch von Dorf zu Dorf der Apfelwein unterschiedlich schmeckte. So entsteht Vielfalt. Was heute kaum jemand mehr weiß – betagte Einheimische wahrscheinlich schon, wer sonst?: In früheren Zeiten war das Städtchen Steinheim am Main so etwas wie ein Apfelweinzentrum. Das “Staanemer Gold” war einer der bekanntesten Apfelweine der Stadt, gekeltert in der letzten gewerblichen Kelterei des Städtchens, der Kelterei Jung. Rund 25 Jahre ist es her, dass die Kelterei geschlossen wurde, mit ihr verschwand die beliebte Markte. Aber die ist jetzt wieder da.

Der Enkel des damaligen Kelterers, Benny Jung, hat die Revitalisierung in die Wege geleitet: „Mit dem Staanemer Gold wollten wir eine alte Steinheimer Traditionsmarke wieder aufleben lassen, denn Steinheim zählt von Alters her zu den bekanntesten Apfelwein-Hochburgen Hessens“, sagt er. Allerdings keltert der Enkel nicht selbst, den handwerklichen Teil übernimmt Kelterer Jörg Stier. Dem Mann ist Warung und Wiederentdecken von Traditionen ein Anliegen. Man wird ihn nicht lange überzeugt haben müssen, die untergegangene Traditionsmarke neu aufzulegen. Als die Kelterei des alten Jung zugesperrt wurde, waren wir 11, 12 Jahre alt und Steinbach so fern wie der Mond. Wir können also nichts über das alte “Staanemer Gold” sagen. Bei der neuen Abfüllung aus der Kelterei Stier handelt es sich um einen eher milden, frischen Apfelwein, verantwortlich für die feinen Apfelnoten ist ausschließlich Steinheimer Streuobst. Wir wünschen der neuentdeckten Traditionsmarke ein langes zweites Leben. Wer es selbst probieren möchte, wendet sich hierhin.

Demeter-Cidre aus Rosbach

Ein weiterer Hinweis darauf, dass, wer schmackhafte Cidres handwerklicher Herstellung kosten will, nicht bis in die Normandie reisen muss: Der Demeter-Cidre der Familie de Groote-Ernst aus Rosbach vor der Höhe entspricht durchaus den Erwartungen, die man an ein solches Getränk stellen kann.

Typisch für einen Cidre das kräftig-goldene Gelb. Die Nase nimmt die deutlichen Aromen vollreifen Obstes war, Honignoten auch. Das Spiel von Frucht und Säure ist an sich ausgewogen, der Cidre ist vielleicht ein klein wenig saftig. Da ist viel Restsüße im Spiel. Das ist aber kein Mangel. In Frankfurtreich stünde “Cidre Doux” auf dem Etikett. Ein Stück eher milden Camemberts dazu: Damit macht man sicher nichts falsch. Mit 3,5 vol% verfügt dieser ungeschwefelte Cidre über recht wenig Alkohol. Unaufdringlich die Gärkohlensäure, die den Cidre frisch und spritzig hält. Schade, dass im Internet nichts über die Hersteller herauszufinden ist. Wir fanden den Cidre in der Domäne Mechtildshausen, wo 0,75 Liter 4,75 EUR kosten. Wer Kontakt direkt zum Erzeuger aufnehmen mag, kann das vermittelst der auf dem Etikett angegebenen E-Mailadresse tun: hernstmsr1@aol.com

 

Die Landkelterei Dietesheim, ein Branchenneuling.

Traurigerweise hört man eher Meldungen, dass wieder eine Kelterei den Betrieb einstellt, als dass eine Kelterei den Betrieb aufnimmt. Umso schöner, wenn das dann mal vorkommt. In Dietesheim gibt es seit ein paar Wochen wieder eine Kelterei, nachdem die letzte Kelterei des Dorfes vor 25 Jahren geschlossen wurde.

Die Mühlheimer Brüder Kai und Frank Böhm haben, unterstützt von Freunden und Familienmitgliedern, die Landkelterei Dietesheim gegründet. Sie verkaufen Apfelwein und Apfelsaft, in der Keltersaison kommen noch Süßer und Rauscher dazu. Lohnmost wird auch angeboten. Wir wünschen Glück und allezeit gute Geschäfte.