Die Brüder Ralf und Holger Henrich, die gemeinsam den Krifteler Obsthof am Berg betreiben, waren auf der heurigen Destillata ausgesprochen erfolgreich. Auf der österreichischen Prämierung für internationale Spitzendestillate, an der in diesem Jahr 187 Betriebe aus 10 Nationen ( Argentinien, Deutschland, Italien, Namibia, Niederlande, Schweden, Schweiz, Slowakei, Ungarn und Österreich ) teilgenommen haben, wurden die Brüder als Newcomer des Jahres ausgezeichnet. Das Sortiment der mit großer Sorgfalt hersgestellten Obstbränden sowie die innovative Whisky-Schiene des sympathischen Betriebes scheint die Destillata-Juroren überzeugt zu haben. Der Publikums-Pomme d´Or 2012, den die Henrichs dann am letztvergangenen Sonntag von der Apfelcompagnie für ihren Apfel-Quitten-Tischwein des letzten Jahres überreicht bekommen haben, dürfte die Freude perfekt gemacht haben. Gratulation!
Die Kelterei Possmann hat in Rödelheim eine Apfelweinwirtschaft eröffnet, die Frankfurter-Äpfelwein-Botschaft. Gäste sollen sich dort “direkt an der Produktionsstätte von der einzigartigen Qualität unseres Äpfelweins überzeugen und die umfangreiche Palette unserer Produkte verkosten”, sagte Keltereichef Peter Possmann anlässlich der Eröffnung. Website: frankfurter-apfelwein-botschaft.de
Heute starten wir eine neue Reihe auf dem Apfelweinblog. In loser Reihenfolge und schöner Unregelmäßigkeit wollen wir in Videoportraits die Köpfe der Szene vorstellen. Apfelweinmacher, Initiatoren, Aktivisten, Gastronomen, Enthusiasten…: Gesprächpartner, die Interessantes zu erzählen haben, finden wir in der Branche zuhauf. Genauso wie Themen, die mit heißem Blut kontrovers diskutiert werden. Die Apfelweinszene lebt – ab heute sind wir auch mit Digicam und Mikrofon mitten drin.
Für den Anfang geht es allerdings gar nicht kontrovers und hitzig zu. Ganz genüsslich widmen wir uns in unserem ersten Stück dem Apfelschaumwein der Kelterei Nöll. Der Familienbetrieb im Frankfurter Stadtteil Griesheim arbeitet seit Jahren an der Schnittstelle von traditioneller Apfelweinkultur und ambitionierter Innovation. Alexander Nöll, 28-jähriger Juniorchef des Hauses, erzählt, was ein Apfelschaumwein eigentlich ist und wie die Nölls dazu kamen, sich dieses elaborierten Produktes anzunehmen.
apfelweinblog.de im Gespräch – mit Alexander Nöll from apfelwein-blog.de on Vimeo.
Die Sommerpause ist rum, das Wetter ist schlecht, aber es gibt interessante Veranstaltungen.
Am Ende dieser Woche Woche beginnt nicht nur endlich das Apfelweinfest auf dem Rossmarkt, es findet auch ein dreitägiges, internationales Apfelweinfestival in Wales statt.Vom 12. bis zum 14.8. findet auf dem Grund des Llancaiach Fawr Manor, eines Landhauses aus dem 16.Jh., das erste International Craft Cider Festival in Wales statt. Eingeladen sind handwerkliche Apfelweinkeltereien aus Wales und dem Rest von England, Frankreich, Spanien, Irland und Deutschland.
Eine Truppe von 6 Frankfurter Apfelweinenthusiasten – also wir vom Apfelwein-Blog und Freunde - werden es übernehmen, den hessischen Apfelwein auf dem Festival zu vertreten. Wir werden Apfelweine und Spezialitäten von 6 hessischen Apfelweinbetrieben im über 1000 km entfernten Wales anbieten. Mit dabei sind die Produkte der Keltereien Nöll, Stier und Rothenbücher sowie des Apfelweinkontors und von Jürgen Krenzer und Dieter Walz.
Weitere Informationen unter internationalciderfestival.com
Wenn man so will, war der inoffizielle Beginn der Apfelweinsaison 2011 bereits im letzten November. Damals präsentierten die 7 Betriebe der Hessischen Wirtshauskelterer ihre “Neuen Hessen” im Frankfurter Apfelweinlokal “Zur Buchscheer”: die jungen Apfelweine des 2010er Jahrgangs, neu, ungestüm, rauh, überaschend fertig, frisch, vorübergehend in der Gärung stecken geblieben – vieles war dabei, man konnte einiges erschmecken an diesen jungen Weinen, man konnte sozusagen das volle (hessische) Apfelwein-Spektrum am Beispiel dieser Jungweine erkunden. Und man konnte anhand dieser ersten Proben einiges über das Selbstverständnis der Kelterer erfahren, über deren Herstellungsweise der Apfelweine und Herangehen an den Most. Jetzt, pünktlich zum Beginn der schönen Jahreszeit, haben die Hessischen Wirtshauskelterer zur Verkostung der fertigen Apfelweine des 2010er-Jahrgangs gebeten – an den selben Ort der Präsentation der jungen Weine. Wobei: Fertige Apfelweine gab es in diesem Jahr nicht an jedem Stand. Armin Treusch (Treuschs Schwanen, Reichelsheim im Odenwald) hatte seine gesamte Produktion noch nicht gefüllt, was wohl eine weitere Veränderung der in Tanks gelagerten Apfelweine zur Folge haben wird, Willi Arnold (Hainmühle, Homberg/Ohm) hatte seine Apfelweine, die er ohnehin das ganze Jahr über größtenteils in Tanks im kalten Keller lagert, in 5 Liter-Cubitainers abgefüllt. Desgleichen Robert Theobald (Buchscheer).
Unser Akzent liegt auf der hessischen Apfelweinkultur, aber von Zeit zu Zeit gönnen wir uns einen geschmacklichen Streifzug in andere Regionen. Überall dorthin, wo die verschiedensten Apfelweine hergestellt werden, sollte man einmal hinblicken und probieren, was man kriegen kann. Der Blick auf das Österreichische Mühlviertel oder ins Mostviertel lohnt im Besonderen.
Nicht nur wegen der ausgezeichneten Qualitäten, die dort erreicht werden, auch wegen der beispielhaften Verquickung von Tourismuskonzepten und Mostproduktion – dort greift eine Hand in die andere. So kommt es zu einer kulinarischen Kultur, von der wir hier – wenn es überhaupt je dazu kommt – noch weit entfernt sind.
Hier wie dort gibt es Probleme, die Imagewerte von Apfelwein und Birnenmost sind nicht die besten. Und hier wie dort gibt es junge Kelterer/Mostmacher, die ihren Produkten mehr als nur einen neuen Anstrich verpassen. Sie denken das Produkt neu. Einer dieser jungen, aufstrebenden, qualitätsversessenen Mostmacher in Österreich ist Norbert Eder. Der Landwirt und Mostsommelier hat vor Jahren den elterlichen Hof übernommen. Gemeinsam mit seiner Frau Eva bewirtschaftet er 20 Hektar Land, biologisch, hat Tiere, die man am Bauernhof so hat, baut Brotgetreide an und macht Saft und Most. Seit 2009 sind es 15.000 Liter. Das ist nicht unglaublich viel, aber Eder ist´s zufrieden. Denn, so sagt er: “Da kann ich noch für die Qualität einer jeden einzelnen Charge garantieren.” Er arbeitet hauptsächlich mit Streuobstbirnen, auch mal mit -äpfeln und eher die Ausnahme ist die Verwendung von Tafelobst. Wenn er das tut, dann “nur, um in ausgewählten Produkten die Möglichkeiten auszuloten”, so Eder. Also eine gewisse Milde ins Getränk zu bringen, beispielsweise. Der Grundgedanke ist und bleibt, die Streuobstbestände zu bewahren und deren geschmackliche Vorzüge zu präsentieren. Authentizität. Und wie macht er das gewinnbringend, Stichwort Imageprobleme? “Wir ignorieren die klassischen Mosttrinker und suchen uns unsere eigene Zielgruppe, in der wir tolle Erfolge haben”, ist die Antwort. Die Leute seien immer wieder überrascht, welche tollen Produkte man aus dem eigenen regionalen Obst machen kann. Mittlerweile habe sich eine Fangemeinde gebildet, die stolz auf die regionale Alternative zum trockenen Weißwein ist. Mehr Informationen findet der Interessierte hier.
Es war einmal….In einer Zeit, die schon lange vergangen ist, gab es in jedem Dorf und jeder Stadt Wirte, die ihren eigenen Apfelwein gekeltert haben. Und es gab nicht nur einen hier und einen da, sondern jede Menge selbstkelternde Apfelweinwirte. Und bei keinem schmeckte der Apfelwein gleich. Unterschiedliche Sorten, unterschiedliche Herangehensweise und natürlich die Wildobstsorten Quitte, Schlehe, Speierling, Ebersche und Mispel, die früher mehr als heute bei der Apfelweinbereitung eine Geige spielten, sorgten dafür, dass der Apfelwein überall anders schmeckte.
Das Wildobst, das in einer Region häufig vorkam, wurde natürlich oft verwendet. Wurde er etwa in Sossenheim oder Kronberg gekeltert, wurde eher der Speierling verwendet, dort, wo etwa viele Quitten wuchsen, prägten sie den Geschmack des Apfelweins usw. So kam es, dass nicht nur von Wirtschaft zu Wirtschaft, sondern auch von Dorf zu Dorf der Apfelwein unterschiedlich schmeckte. So entsteht Vielfalt. Was heute kaum jemand mehr weiß – betagte Einheimische wahrscheinlich schon, wer sonst?: In früheren Zeiten war das Städtchen Steinheim am Main so etwas wie ein Apfelweinzentrum. Das “Staanemer Gold” war einer der bekanntesten Apfelweine der Stadt, gekeltert in der letzten gewerblichen Kelterei des Städtchens, der Kelterei Jung. Rund 25 Jahre ist es her, dass die Kelterei geschlossen wurde, mit ihr verschwand die beliebte Markte. Aber die ist jetzt wieder da.
Der Enkel des damaligen Kelterers, Benny Jung, hat die Revitalisierung in die Wege geleitet: „Mit dem Staanemer Gold wollten wir eine alte Steinheimer Traditionsmarke wieder aufleben lassen, denn Steinheim zählt von Alters her zu den bekanntesten Apfelwein-Hochburgen Hessens“, sagt er. Allerdings keltert der Enkel nicht selbst, den handwerklichen Teil übernimmt Kelterer Jörg Stier. Dem Mann ist Warung und Wiederentdecken von Traditionen ein Anliegen. Man wird ihn nicht lange überzeugt haben müssen, die untergegangene Traditionsmarke neu aufzulegen. Als die Kelterei des alten Jung zugesperrt wurde, waren wir 11, 12 Jahre alt und Steinbach so fern wie der Mond. Wir können also nichts über das alte “Staanemer Gold” sagen. Bei der neuen Abfüllung aus der Kelterei Stier handelt es sich um einen eher milden, frischen Apfelwein, verantwortlich für die feinen Apfelnoten ist ausschließlich Steinheimer Streuobst. Wir wünschen der neuentdeckten Traditionsmarke ein langes zweites Leben. Wer es selbst probieren möchte, wendet sich hierhin.
Ein weiterer Hinweis darauf, dass, wer schmackhafte Cidres handwerklicher Herstellung kosten will, nicht bis in die Normandie reisen muss: Der Demeter-Cidre der Familie de Groote-Ernst aus Rosbach vor der Höhe entspricht durchaus den Erwartungen, die man an ein solches Getränk stellen kann.
Typisch für einen Cidre das kräftig-goldene Gelb. Die Nase nimmt die deutlichen Aromen vollreifen Obstes war, Honignoten auch. Das Spiel von Frucht und Säure ist an sich ausgewogen, der Cidre ist vielleicht ein klein wenig saftig. Da ist viel Restsüße im Spiel. Das ist aber kein Mangel. In Frankfurtreich stünde “Cidre Doux” auf dem Etikett. Ein Stück eher milden Camemberts dazu: Damit macht man sicher nichts falsch. Mit 3,5 vol% verfügt dieser ungeschwefelte Cidre über recht wenig Alkohol. Unaufdringlich die Gärkohlensäure, die den Cidre frisch und spritzig hält. Schade, dass im Internet nichts über die Hersteller herauszufinden ist. Wir fanden den Cidre in der Domäne Mechtildshausen, wo 0,75 Liter 4,75 EUR kosten. Wer Kontakt direkt zum Erzeuger aufnehmen mag, kann das vermittelst der auf dem Etikett angegebenen E-Mailadresse tun: hernstmsr1@aol.com
Traurigerweise hört man eher Meldungen, dass wieder eine Kelterei den Betrieb einstellt, als dass eine Kelterei den Betrieb aufnimmt. Umso schöner, wenn das dann mal vorkommt. In Dietesheim gibt es seit ein paar Wochen wieder eine Kelterei, nachdem die letzte Kelterei des Dorfes vor 25 Jahren geschlossen wurde.
Die Mühlheimer Brüder Kai und Frank Böhm haben, unterstützt von Freunden und Familienmitgliedern, die Landkelterei Dietesheim gegründet. Sie verkaufen Apfelwein und Apfelsaft, in der Keltersaison kommen noch Süßer und Rauscher dazu. Lohnmost wird auch angeboten. Wir wünschen Glück und allezeit gute Geschäfte.
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