Kategorie-Archiv: Verkostet

Obsthof am Steinberg – 2012er-Goldparmäne mit Weinbirne

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“Ein sortenreiner Apfel-Birnen-Cidre aus historischen Sorten” – das klingt schon mal! Der Duft ist der reifster Äpfel, spät im Jahr geerntet. Bei der Goldparmäne heißt das nicht vor Mitte, vielleicht Ende Oktober. Dann ist es womöglich schmuddeliggrauregnerisch und keine ungetrübte Freude, im Schietwetter Äpfel aufzulesen oder von Hand von den Ästen zu pflücken. Dennoch erinnert irgend etwas am Duft dieses Apfelweines auch an den Geruch kühler, feuchter Steine im Schatten an einem heißen, trockenen Tag im Sommer – diese Goldparmäne zeigt sich als ebenso hell und klar. Feine, kleine Bläschen (zugefügte Kohlensäure) steigen auf – im Mund stellen sie sich als überaus angenehmes, die Eleganz dieses Apfelweines prägendes Mousseux dar. Wie so oft bei Apfelweinen aus dieser Produktion geht auch bei dieser Goldparmäne eine frische, junge Süße mit tief aromatischen Eindrücken einher, begleitet von einer anspringenden, frischen Säure – im Letzten hinterlässt hier wohl die Weinbirne ihre Spuren. Genauso wie in den Gerbstoffen, die in fein austarierter Form auftreten: Sie präsentieren sich als weiteres Element und als Gegenpart zur Fruchtsüße in der Form einer sehr erfrischenden, sehr leichten Bitternis.

Ein interessanter, vielschichtiger Apfelwein, der Eleganz und Kraft in sich vereint. Er hat 7 vol%, ist also fast trocken durchgegoren. Dennoch weist er eine überraschende Fruchtsüße auf, die so bei einem Apfelwein mit diesem Alkoholgehalt nicht unbedingt zu erwarten ist.

Hersteller: Obsthof am Steinberg, Andreas Schneider, 0,75 l

Demeter-Cidre von Michael Michel

IMG_7433 Auge: Kräftige, rotgoldene Farbe. Feine Bläschen steigen auf.

Nase: vollreife Äpfel und Birnen

Mund: Tiefgründige, natürliche Fruchtsüße, Aromen reifer, säureführender Äpfel, deren Gegenparts eine frische, sehr anregende Säure und ganz feine Gerbstoffe sind. Wir schmecken ausserdem ganz leicht Vanille, etwas Erdbeere,  zudem ist der Apfelwein geprägt von Lindenblüten- und leichten Honignoten. Sehr angenehme Perlage.

Fazit: Das ist ein wunderbarer Apfelwein, der trotz wenig Alkohols, wegen des kräftigen natürlichen Restzuckers, der Gerbstoffe und der Apfelsäure, viel Substanz bietet. Er stammt aus der Ernte des Jahres 2011. Als wir den Apfelwein vor gut einem Jahr probiert haben, haben wir ihn lieber erst einmal für eine Weile ins Lager verbannt. Die Harmonie hat uns damals gefehlt, heute ist sie da. Der Cidre hat sich abgerundet, harmonisiert, er ist gefälliger geworden. Jetzt ist er ein unwiderstehlicher südhessischer Apfelwein mit 3,5 vol%, der durchaus als Cidre normand durchgeht. Ausdrückliche Empfehlung! empfohlene Temperatur: im Kühlschrank gut gekühlt. Verkauf in Frankfurt: Apfelweinkontor, Wallstraße 13

Burn, Baby, Braeburn. Ein reinsortiger Apfelwein der Kelterei Herberth.

Um das einzig Negative gleich vorne weg zu sagen: Das Etikett ist gut gemeint. Pardon, aber da bestünde wirklich noch Nachholbedarf. Auch, den Apfelwein nicht als sortenrein, sondern als sortenfein zu bezeichnen: Autsch! Aber bitte, Vergebung! Les gouts et les couleurs, on ne discute pas! Ansonsten ist dieser Jahrgangsapfelwein für uns eine Wucht.

Die Kelterei Herberth ist eine in der Tradition verwurzelte Kelterei in Kronberg im Taunus, die sich aber offenbar auch neuen Strömungen zu öffnen weiß. Im Herbst liefern zahlreiche Streuobstwiesenbesitzer Äpfel ab, die neben den Äpfeln der eigenen Obstwiesen für die Produktion der Herberth-Apfelweine dienen. Natürlich wird auch manches Obst zugekauft – nicht nur die Braeburn-Äpfel, aus denen dieser wunderbare, ganz eigenständige Apfelwein gekeltert wird und die natürlich noch nicht in der für die Menge dieser Produktion benötigten Menge auf heimischen Streuobstwiesen wachsen. Wer weiß, was in 50 Jahren ist.

Als erstes fällt die schöne Farbe dieses Apfelweins auf. Schimmert das leicht rotgold? Die zugesetzte Kohlensäure bildet beim Ausschenken eine Schaumkrone, die ebenso schnell verschwindet wie sie sich gebildet hat. Die kleinen Bläschen der Kohlensäure verleihen dem Apfelwein eine zusätzliche Frische, heute ist das Zufügen von Co2 bei vielen Apfelweinen die Regel. Hier ist es fein abgestimmt geschehen.

Die Nase nimmt am stärksten die kräftigen Aromen von reifer Grapefruit wahr, auch schwarze Johannisbeere. Im Mund wiederholt sich dieser Eindruck, es kommen noch Stachelbeeren dazu, exotische Fruchtaromen, auch ganz reifer Pfirsich, und eine das ganze wunderbar stützende und hebende Säure.  Wer die mitunter uninteressant bappig, schwer und parfümiert schmeckenden Äpfel dieser Sorte aus dem Supermarkt kennt, wird überrascht sein, wozu ein Braeburn – und ein Apfelweinmacher, der etwas von seinem Beruf versteht – in der Lage ist. Wir verkaufen diesen großartigen Apfelwein im Apfelweinkontor. 6 vol%!

Verkostet: Yarlington Mill Farmhouse Cider

Als wir im letzten Jahr am “International Cider Festival” in Wales teilgenommen haben, wurden wir am Ende von vielen der dortigen Aussteller reich mit Proben bestückt. Jetzt ist uns wieder eine Flaschen in die Hände gefallen und wir haben noch einmal probiert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Yarlington Mill Cider
Produzent: Gwatkin
Region: UK, Sumerset
Typ: Medium Cider, halbtrockener Apfelwein
Leichte Kohlensäure
Alkohol: 7,5%

Sortenreiner Cider aus Yarlington Mill Cider Äpfeln. 2009 Prämiert mit dem Camra Cider Awards.

Yarlington Mill ist eine Apfelsorte, die vornehmlich für die Produktion von Cider verwendet wird. Es handelt sich um stark wachsende Bäume, deren reife Äpfel, die meist im späten November geerntet werden, gelb und rosarot leuchten. Der daraus gewonnene Saft ist reich an Tanninen, Zucker und Säure und damit perfekt für einen Craft-Cider.

Yarlington Mill Cider von Gwatkin ist halbtrocken und wird im Eichenfass ausgebaut. Dem Saft der Äpfel wurde zusätzlich Zucker hinzugefügt, die Gärung wurde durch die natürlichen Hefen der Äpfel angestoßen, auf die Verwendung von Reinzuchthefen wird bei Craft-Cider, so weit ich bisher erfahren habe, verzichtet.

Aber nun zum Geschmack des englischen Stöffchens.  Es ist ein eher süffiger Cider, vordergründig süß, mit einer leicht moussierenden Kohlensäure, für den Craft-Cider typische Dörrapfel- und Vanillearomen und leichter Säure. Die Tannine fördern den gerbstoffbetonten Charakter, der auch eine leicht bittere Note bringt. Insgesamt ist der Yarlington Mill Cider von Gwatkin ein sehr ausgewogener und gehaltvoller Cider, ein ausgesprochen guter Vertreter seiner Art, die 500ml sind aber nicht einfach so mal schnell weggetrunken. Der Vergleich des Herstellers zu einem Dessertwein passt!

Dieser Cider passt sehr gut zu herzhaften Käse, wie dem typisch englischen Stilton.

Preis pro Flasche liegt bei ca. 3,- GBP. Eventuell bald auch über das Apfelweinkontor erhältlich. Wir arbeiten daran.

Der “Epfeltranc” der Kelterei Jörg Stier

“Als einer der begehrten Inhaltsstoffe des hessischen Apfelweins galt in früheren Zeiten stets die Essigsäure”, so steht es auf dem Rückenetikett des Epfeltranc, der neuesten Idee aus Jörg Stiers Kelterei, die er “alkoholisches Getränk aus Äpfeln” nennt. Das Wörtchen “Apfelwein” als Produktbezeichnung für den Epfeltranc sucht man auf den Etiketten vergeblich. Denn für die Herstellung hessischen Apfelweins gibt es einen Grenzwert für die flüchtige Säure. Der liegt bei 1 g/l. Der Wert der flüchtigen Säure im Epfeltranc liegt zwischen 1,5 und 2 g/l. Jörg Stier baut diesen Apfelwein ganz bewusst mit einem derart hohen Essigsäurewert aus. Die Essigsäure als Geschmackskomponente im hessischen Apfelwein solle erhalten bleiben, so der Kelterer. Die flüchtige Säure – Essigsäure – ist ein Klassiker in der Apfelweinbereitung. Oft wird sie unfreiwillig Teil des Geschmacksbildes und gelangt durch handwerkliche Fehler in den Apfelwein, Jörg Stier rückt sie hier aber ganz bewusst ins Zentrum seiner Idee. Der Epfeltranc ist definiv etwas für Freunde einer kräftigen Apfelessignote. Derer gibt es viele. Und wer diese nicht liebt, der hasst sie in der Regel und nennt sie “Weinfehler”. Wenig polarisiert in Apfelweinkreisen so sehr wie die flüchtige Säure. Wir empfehlen: in die Kelterei Stier fahren, Epfeltranc kaufen, leicht gekühlt (11 grad celsius) probieren und Spaß haben. Wer den Epfeltranc übrigens so ins Glas schenkt, dass er richtig ins Glas spratzt und ordentlich Sauerstoff bekommt, sozusagen  auf die asturische Art (Flasche über Kopf, Glas auf Hüfthöhe), der erhöht den Genuss dieses Getränks zusätzlich.

Der 2010er-Jahrgang der Hessischen Wirtshauskelterer

Wenn man so will, war der inoffizielle Beginn der Apfelweinsaison 2011 bereits im letzten November. Damals präsentierten die 7 Betriebe der Hessischen Wirtshauskelterer ihre “Neuen Hessen” im Frankfurter Apfelweinlokal “Zur Buchscheer”: die jungen Apfelweine des 2010er Jahrgangs, neu, ungestüm, rauh, überaschend fertig, frisch, vorübergehend in der Gärung stecken geblieben – vieles war dabei, man konnte einiges erschmecken an diesen jungen Weinen, man konnte sozusagen das volle (hessische) Apfelwein-Spektrum am Beispiel dieser Jungweine erkunden. Und man konnte anhand dieser ersten Proben einiges über das Selbstverständnis der Kelterer erfahren, über deren Herstellungsweise der Apfelweine und Herangehen an den Most. Jetzt, pünktlich zum Beginn der schönen Jahreszeit, haben die Hessischen Wirtshauskelterer zur Verkostung der fertigen Apfelweine des 2010er-Jahrgangs gebeten – an den selben Ort der Präsentation der jungen Weine. Wobei: Fertige Apfelweine gab es in diesem Jahr nicht an jedem Stand. Armin Treusch (Treuschs Schwanen, Reichelsheim im Odenwald) hatte seine gesamte Produktion noch nicht gefüllt, was wohl eine weitere Veränderung der in Tanks gelagerten Apfelweine zur Folge haben wird, Willi Arnold (Hainmühle, Homberg/Ohm) hatte seine Apfelweine, die er ohnehin das ganze Jahr über größtenteils in Tanks im kalten Keller lagert, in 5 Liter-Cubitainers abgefüllt. Desgleichen Robert Theobald (Buchscheer).

Leute im Gespräch.

Apfelsecco des Obsthofs Dienst in Ockstadt

Die Familie Dienst aus Friedberg-Ockstadt betreibt einen Obsthof wie viele andere in dem Städtchen auch. Das wichtigste Obst neben Tafeläpfeln, die für den Frischverzehr angebaut werden, sind Birnen, Zwetschgen und Kirschen. Das Obst wird hauptsächlich auf den umliegenden Märkten verkauft. Nebenbei bieten die Diensts Brände an und Perlweine, einen mit Quitte, einen anderen aus Äpfeln. Die Ambition solcher Obtsbetriebe kann man oft an  Sortenauswahl und Lagerung des Obstes erkennen: Es gibt immer wieder auch Ausgefallenes wie Glockenäpfel und Goldparmänen etc und die Äpfel schmecken nicht selten im Sommer noch wie frisch geerntet. Bei den Apfelweinen, die an derlei Marktständen dann oft nebenher angeboten werden, ist von Ambition allerdings in aller Regel nichts mehr zu spüren: Essigstichige Apfelweine und laktische Töne sind hier eher die Regel, denn die Ausnahme. Nicht so beim Apfelsecco der Familie Dienst: Mit 10,5 %vol ist er zwar etwas zu alkoholisch (Aufzuckerung macht´s möglich). Er bietet aber doch schöne Apfelaromen, eine pralle Fruchtfülle, hat eine Apfelsäure, die durchaus anregend ist und eine kräftige Perlung, die dem etwas zu süßen Perlwein Frische und Spritzigkeit gibt. Das Hinunterschlucken ergibt einen leicht herben Akzent – schön. Gut gekühlt, im Sommer, als Aperitif passt das. 4 Euro sind dafür nicht zu viel. Wir haben ihn am Marktstand auf der Konstablerwache, in der Mitte des Marktes, entdeckt.

Dr. Höhls Hochstädter Rosé

Neuigkeit im Getränkemarkt: Der alte Hochstädter Rosé der Kelterei Höhl (also Rapp´s). Wer weiß, vielleicht hat Chefin Dr. Johanna Höhl ihre Idee des Pomp Rosé – einer gastronomie-exklusiven Cuvée von Riesling (80%), sortenreinem Wein aus der Champagner-Reinette und einer kleinen Menge Johannisbeerensaftes – auch als Variante für den Alltag des kleinen Mannes und seiner Frau herausbringen wollen.

Herausgekommen ist jedenfalls ein trinkbares, erfrischendes Getränk. Hauptsächlich Apfelwein, etwas Apfelsaft und eine minimale Dosis Saft der schwarzen Johannisbeere ergeben einen Apfelweinmix, der seine Herkunft nicht verleugnet. Charakteristische, aber zurückhaltende Apfelweinsäure, Frucht und Süße des Saftes und das Typische der schwarzen Johannisbeere, aber wohl dosiert. Einverstanden. Nicht so gut: Schon nach dem Öffnen macht dieser Rosé einen etwas schalen Eindruck. Daran müsste noch gearbeitet werden.

 

 

Köstliches aus dem Mühlviertel: Moste von Norbert Eder.

Unser Akzent liegt auf der hessischen Apfelweinkultur, aber von Zeit zu Zeit gönnen wir uns einen geschmacklichen Streifzug in andere Regionen. Überall dorthin, wo die verschiedensten Apfelweine hergestellt werden, sollte man einmal hinblicken und probieren, was man kriegen kann. Der Blick auf das Österreichische Mühlviertel oder ins Mostviertel lohnt im Besonderen.

Nicht nur wegen der ausgezeichneten Qualitäten, die dort erreicht werden, auch wegen der beispielhaften Verquickung von Tourismuskonzepten und Mostproduktion – dort greift eine Hand in die andere. So kommt es zu einer kulinarischen Kultur, von der wir hier – wenn es überhaupt je dazu kommt – noch weit entfernt sind.

Hier wie dort gibt es Probleme, die Imagewerte von Apfelwein und Birnenmost sind nicht die besten. Und hier wie dort gibt es junge Kelterer/Mostmacher, die ihren Produkten mehr als nur einen neuen Anstrich verpassen. Sie denken das Produkt neu. Einer dieser jungen, aufstrebenden, qualitätsversessenen Mostmacher in Österreich ist Norbert Eder. Der Landwirt und Mostsommelier hat vor Jahren den elterlichen Hof übernommen. Gemeinsam mit seiner Frau Eva bewirtschaftet er 20 Hektar Land, biologisch, hat Tiere, die man am Bauernhof so hat, baut Brotgetreide an und macht Saft und Most. Seit 2009 sind es 15.000 Liter. Das ist nicht unglaublich viel, aber Eder ist´s zufrieden. Denn, so sagt er: “Da kann ich noch für die Qualität einer jeden einzelnen Charge garantieren.” Er arbeitet hauptsächlich mit Streuobstbirnen, auch mal mit -äpfeln und eher die Ausnahme ist die Verwendung von Tafelobst. Wenn er das tut, dann “nur, um in ausgewählten Produkten die Möglichkeiten auszuloten”, so Eder. Also eine gewisse Milde ins Getränk zu bringen, beispielsweise. Der Grundgedanke ist und bleibt, die Streuobstbestände zu bewahren und deren geschmackliche Vorzüge zu präsentieren. Authentizität. Und wie macht er das gewinnbringend, Stichwort Imageprobleme? “Wir ignorieren die klassischen Mosttrinker und suchen uns unsere eigene Zielgruppe, in der wir tolle Erfolge haben”, ist die Antwort. Die Leute seien immer wieder überrascht, welche tollen Produkte man aus dem eigenen regionalen Obst machen kann. Mittlerweile habe sich eine Fangemeinde gebildet, die stolz auf die regionale Alternative zum trockenen Weißwein ist. Mehr Informationen findet der Interessierte hier.

Die Edition ‘apfel.land.hessen’ der Wirtshauskelterer

Die Hessischen Wirtshauskelterer sind eine kleine, aber wackere Vereinigung von selbstkelternden Apfelweinwirten. Ihre Betriebe sind sozusagen in ganz Hessen verstreut. Ob gemeinsam in den in loser Reihenfolge über das Jahr verteilten Veranstaltungen – öffentliche Verkostungen, Menues mit korrespondierenden Apfelweinen aus den jeweiligen Betrieben – oder jeder der kelternden Wirte für sich durch Apfelweinabende, Schaukeltern oder den alltäglichen Dienst in der Wirtschaft: Die Wirtshauskelterer mühen sich redlich und erfolgreich, Aufmerksamkeit für den Apfelwein zu erzeugen, die Vielfalt aufzuzeigen, das Apfelweinselbermachen zu zeigen. Die Vereinigung hat so manche brancheninterne Debatte angeregt, etwa über die Art der Apfelweinbereitung oder den Umgang mit heimischen Baumäckern.

Der Slogan der selbstkelternden Gastronomen “Apfelwein geht auch anders” definiert deren eigenen Qualitätsanspruch und drückt die Distanz zu den Produkten der landauf und landab bekannten Markenapfelweine der großen Keltereien aus. Aber: Wer Qualität und Transparenz bei anderen fordert, sollte ein gutes Beispiel abgeben, dachten die Wirtshauskelterer. Wer mit Steinen wirft, sollte aufpassen, dass er nicht im Glashaus sitzt. Irgendwann musste eine Qualitätsoffensive her, denn in den sieben Betrieben wurde bislang auch nicht immer nur fehlerfreier Apfelwein von bester Qualität ausgeschenkt und in die Flasche gefüllt. Und einfach nur selbst keltern – das kann ja noch nicht genug Gegenentwurf zu den Produkten der großen Keltereien sein. Es muss auch was Vernünftiges dabei herauskommen.

Die Wirtshauskelterer begannen also eine Diskussion darüber, wie man zuverlässig gleichbleibende Qualität erreichen könne. Es wurde überlegt, wie Apfelweine in gleichbleibender Qualität und ohne nachträgliche Beeinträchtigungen in Flaschen zu füllen seien. Ihre neue ‘Apfelweinedition’ wurde auf dem Weingut Mengel-Eppelmann vom dortigen Kellermeister Jörg Eppelmann industriell filtriert, geschwefelt und steril abgefüllt. Zu guter Letzt wurden sie chemisch analysiert. Eine derartig umfassende Behandlung erfahren diese Weine sonst nicht, muss auch nicht unbedingt sein. Was uns besonders freut: Die Wirtshauskelterer haben die Idee aus unserem Buch “Hessens Apfelweine” aufgegriffen, Weine durch nachvollziehbare Analysewerte zu charakterisieren: Neben der gesetzlich vorgegebenen Alkoholangabe (%vol) finden wir Restzucker (g/l), Gesamtsäure (g/l) und Gesamtphenole (mg/l) auf den Rückenetiketten der jeweiligen Weine. So kann sich der, der sich ein bisschen auskennt und sich dafür interessiert, bereits vor dem Probieren einen Eindruck des Apfelweins verschaffen. Transparenz & Kundeninformation – das ist vorbildlich.