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Schon ganz in Ordnung: Apfelweinmixgetränk

Ein bisschen skeptisch waren wir schon. Eingeschworene Verächter von Limonade in Apfelwein, Wein, Bier oder sonstwo, die wir nun einmal sind, waren wir sicher, dass das NICHTS für uns ist. Ausgeschlossen. Aber man muss auch mal über den eigenen Schatten springen, dachten wir uns.

Also haben wir uns neben einigen anderen (richtigen) Apfelweinen eine Auswahl derzeit verfügbarer Apfelweinmixgetränke besorgt und haben probiert:

Apfelwein-Grapefruit-Mix ‘Z‘ der Kelterei Höhl - Grapefruit dominiert Apfel. Keine wahrnehmbare Apfelsäure, leichte Kohlensäure, recht süß. Gut gekühlt erfrischend.

Den gleichnamigen Apfelwein-Cola-Mix aus gleichem Hause - den Geschmack kennt man von den Gummi-Colafläschchen aus der Tüte. Oder von Spezi. Einigen in der Runde  - Colaliebhaber, klar – schmeckte das tatsächlich. Ehrlich gesagt: Uns geht das zu weit.

Den Apfelwein-Grapefruit-Mix ‘Grape – AP‘ der Kelterei Müller - Man schmeckt den Apfelwein leicht durch. Grapefruitaromen eher undeutlich, leicht flüchtige Säure, ziemlich süß.

Den Apfelwein-Grapefruit-Blutorange-Mix ‘Mix 3‘ der Kelterei Rothenbücher - der herbe Kerl unter den Apfelweinmixen. Blutorange und Grapefruit deutlich, Apfel eher nicht. Aber die Säure des Apfels ist markant. Macht den Mund wässrig. Gut.

Den “Fichtekranz” genannten Apfelwein-Maracuja-Pfirsich-Mix der Kelterei Heil - deutlich reifer Pfirsich. Jemand sagt “Gummibärchen”. Leider keine Kohlensäure, die das Getränk erfrischen würde. Ist da wirklich Apfelwein drin?

Sowie dessen mit “Kräutern” versetztes Pendant - ein Begriff macht die Runde: “Almdudler”. Und: Süßer als die entsprechende Bionade.

(Beide noch nicht im Handel, wohl erst ab Mitte Juli)

Pink Apple” aus der Kelterei Herberth. Dieser ist als “Apfelweinmixgetränk” eigentlich nicht richtig kategorisiert. Es handelt sich dabei um einen rötlichen Apfelperlwein, mit Holunder versetzt - leichte Säure, weder Apfel noch Holunder sind deutlich schmeckbar. Schmeckt leicht alkoholisch. Leicht herb.

Und “Pure Cider” aus der Kelterei Possmann. Ein Mix aus Apfelwein, Apfelsaft, Kohlensäure und Zucker – Ein typischer Cider, Apfelweinig, frisch wie Saft mit reichlich Süße und wenig Alkohol. Sehr angenehm.

Schließlich ist bald Weihnachten. Und Silvester! Wir empfehlen Apfelschaumwein.

Apfelsekt, Abbelschambes, Was ist das eigentlich? Kleine Erklärung: Den ersten deutschen Schaumwein aus Äpfeln hat Carl Samuel Häusler hergestellt. Und das nicht, weil er so gern Champagner gemacht hätte, aber keine Trauben zur Hand hatte, sondern weil er wahrscheinlich ahnte, welch tolles Produkt ihm da gelingen würde. Wir wissen natürlich nichts von den geschmacklichen Eigenheiten der Häuslerschen Erzeugnisse, wissen aber um die Popularität von Apfelschaumweinen in der Folge. Schließlich wurde die Delikatesse von Deutschland aus in die ganze Welt geschickt. Hergestellt wird Apfelschaumwein (oder: sollte hergestellt werden) nach der Champagnermethode (ein Grundwein wird mit Champagnerhefen versetzt, gärt ein zweites Mal, kommt ins Rüttelpult, wird degorgiert).

Im niederschlesischen Grünberg lebte also besagter Erfinder und gründete eine Kellerei. 1820 stellte er seinen Apfelschaumwein her und war damit den deutschen Herstellern von Traubensekt um 8 Jahre voraus. Das Interesse an Apfelschaumweinen ging ab der Mitte der 1940er Jahre zurück, das Produkt verschwand von der Oberfläche. Erst Mitte der 1980er Jahre kam es durch die Arbeit kleiner Keltereien zu einer Renaissance, namentlich Jörg Stier (Maintal-Bischofsheim) machte sich um diese Wiedergeburt mit seinen Getränken verdient. Die Bandbreite von Perlendem und Schäumendem, die auch heute noch in diesem Betrieb hergestellt wird, ist lohnender Anreiz für einen Besuch dort.

Ein anderer Hersteller, der sein konventionelles, aber erstklassiges Apfelweinsortiment (unter anderem) mit hervorragenden Apfelschaumweinen abrundet, ist die Kelterei von Gerhard Nöll in Frankfurt. Freunden von extra trockenen Erzeugnissen sei der Apfelschaumwein in der Variante brut ans Herz gelegt, der Einsteiger und Freund von etwas mehr Restsüße entscheidet sich womöglich für den Apfelschaumwein trocken; diesen hatten wir neulich. Volle Aromen von spät geernteten Äpfeln, eine feine, toll ins Getränk eingebundene Perlage sowie eine angenehme Säure, machen dieses spritzige Getränk zu einem ausgesprochen trinkenswerten Begleiter der Weihnachtstage und -abende. Und bei 7,5 %vol darf man sich ruhig auch mal festtrinken an so einem Fläschchen.

Die “Ersten Hessen” der Wirtshauskelterer

Mit Jungweinproben eröffnen Kelterer dem interessierten Publikum eine gute Möglichkeit, die Apfelweine des Jahres im Entstehen zu verkosten. Für die Kelterer sind solche Proben des neuen Apfelweins unerlässliche Qualitätssicherung, die regelmäßig durchgeführt werden muss. Die Interessierten verschaffen sich bei solchen Gelegenheiten einen Eindruck darüber, wohin der Apfelwein sich noch entwickeln kann.

Die Apfelweine, die Jürgen Krenzer (Altweibersommerschoppen 2008: verschiedene Apfelsorten plus Johannisbeere. Feine Gerbstoffe, leichte Cassisnote, was dem jungen, frischen Wein sehr gut steht, ungewöhnlich die rote Färbung), Robert Theobald (Fassabzug Buchscheerapfelwein: Frühe Apfelsorten der Kleingärtner in der Umgebung, nach Aussage des Kelterers viel Brettacher. Der Jungwein lässt ein mildes Endergebnis vermuten), Armin Treusch (sortenreine 2008er Goldparmäne aus dem Odenwald: trocken ausgebaut, kräftiger Apfelwein mit schön eingebundener Säure und schon jetzt vergleichsweise viel Alkohol), Peter Merkel (“Der Neue”: frisch, fruchtbetont, noch sehr trüb, sehr schmackhaft), Jürgen Schuch (“Erster Hesse”: schöne Apfelfrucht, deutliche Gerbstoffe, angenehm adstringierend, anregend und macht Appetit, noch trüb) und Michael Stöckl (sortenreiner Boskoop aus dem Taunus mit Mispel: typisch Boskoop, fruchtig mit viel Kraft und schöner Säure, noch recht trüb, das wird!) jetzt in der Frankfurter  ‘Buchscheer’ präsentiert haben, zeigen deutlich, das Apfelwein keineswegs gleich Apfelwein ist. In der Nische blüht die Vielfalt!