Heute starten wir eine neue Reihe auf dem Apfelweinblog. In loser Reihenfolge und schöner Unregelmäßigkeit wollen wir in Videoportraits die Köpfe der Szene vorstellen. Apfelweinmacher, Initiatoren, Aktivisten, Gastronomen, Enthusiasten…: Gesprächpartner, die Interessantes zu erzählen haben, finden wir in der Branche zuhauf. Genauso wie Themen, die mit heißem Blut kontrovers diskutiert werden. Die Apfelweinszene lebt – ab heute sind wir auch mit Digicam und Mikrofon mitten drin.
Für den Anfang geht es allerdings gar nicht kontrovers und hitzig zu. Ganz genüsslich widmen wir uns in unserem ersten Stück dem Apfelschaumwein der Kelterei Nöll. Der Familienbetrieb im Frankfurter Stadtteil Griesheim arbeitet seit Jahren an der Schnittstelle von traditioneller Apfelweinkultur und ambitionierter Innovation. Alexander Nöll, 28-jähriger Juniorchef des Hauses, erzählt, was ein Apfelschaumwein eigentlich ist und wie die Nölls dazu kamen, sich dieses elaborierten Produktes anzunehmen.
apfelweinblog.de im Gespräch – mit Alexander Nöll from apfelwein-blog.de on Vimeo.
Vor lauter Ankündigungen haben wir vergessen auf wohl eines der bezaubernsten und kreativsten Straßenfeste überhaupt hinzuweisen. Wer am Samstag noch nicht an der ersten Frankfurter Apfelweintour oder dem Hof-Fest der Kelterei Nöll teilnehmen kann/möchte, dies vielleicht auf Sonntag verschiebt, oder vielleicht zwischendurch eine kleine Abwechselung benötigt, der sollte das Brückwall Straßenfest am Rand von Alt-Sachsenhausen besuchen.
Wir sind auch mit einem Stand vor der Brückenstraße Nr. 50 vertreten und präsentieren die Bücher des Verlags Henrich-Editionen, die Kollektion des Frankfurter Spielbetriebs und natürlich unseren Wein aus Äpfeln, sowie Apfelschaumwein von Dieter Walz aus dem Odenwald und Apfelsherrys von Jürgen Krenzer aus der Rhön. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
Am Samstag, den 3. September von 11-23 Uhr.
Artikel im Frankfurt Journal
Im Gegensatz zu den großen Markenapfelweinen bekommt man die Manufakturapfelweine der kleineren Hersteller nur über kleinere Vertriebsnetze oder gar nur beim Produzenten selbst. Dies bedeutet, dass man sich selbst auf den Weg machen muss. Und sind wir ehrlich, wer setzt sich oft ins Auto und fährt weitere Strecken, um einen anderen Apfelwein einzukaufen. Macht man leider doch eher selten, und so bleibt es weitgehend bei dem üblichen Standard-Sortiment.
Es ist aber eine erfreuliche Überraschung, wenn bei einem Supermarkt um die Ecke ein Apfelweinprodukt von einem kleinen Hersteller zu finden ist. So ist es mir ergangen, als ich beim neu eröffneten REWE in der Textorstrasse (ExTram-Depot Sachsenhausen) Apfelschaumwein der Kellerei Döhne entdeckte.
Die Kellerei Döhne sitzt in Schauenburg-Breitenbach 20 km südwestlich von Kassel, stellt Apfelschaumweine und Edelobstbrände her und ist somit der nördlichste hessische Produzent von Apfelweinprodukten. Da fährt man halt nicht einfach so mal vorbei!
Die Apfelschaumweine von Döhne werden im Rahmen der Innitative LandMarkt Hessen angeboten. LandMarkt Hessen ist ein Zusammenschluss von regionalen Direktvermarktern, die bäuerliche Produkte (Wurst, Käse, Marmeladen, Honig, etc,) unter anderem auch in ausgewählten REWE-Supermärkten, anbieten. Die Produkte werden in schön anzuschauenden Holzkisten aufgestellt, und sind eine Abwechslung zu der üblichen Produktpräsentation in Supermärkten.
Auf der Website von LandMarkt sind die Adressen der REWE-Supermärkte bisher leider noch nicht eingepflegt. Der ausliegenden Flyer mit Adressen von Supermärkten, in denen die LandMarkt-Produkte zu finden sind, wurde mitgenommen, eingescannt und hochgeladen. Wer also einen Apfelschaumwein aus der Kellerei Döhne probieren will, muss nicht den weiten Weg nach Nordhessen auf sich nehmen, sondern sich mit 8,99 Euro in der Tasche zum nächstgelegenen Supermarkt begeben.
Und wer wissen möchte, wie dieser Apfelschaumwein uns geschmeckt hat, kann dies hier im Blogeintrag vom Kollegen Kalveram nachlesen.
Wer einen Einkaufs-Tip für ein besonderes und gut erreichbares Stöffchen hat, kann uns dies gerne mitteilen und wir werden diesen hier im Apfelwein-Blog gerne veröffentlichen und ausprobieren.
Apfelsekt, Abbelschambes, Was ist das eigentlich? Kleine Erklärung: Den ersten deutschen Schaumwein aus Äpfeln hat Carl Samuel Häusler hergestellt. Und das nicht, weil er so gern Champagner gemacht hätte, aber keine Trauben zur Hand hatte, sondern weil er wahrscheinlich ahnte, welch tolles Produkt ihm da gelingen würde. Wir wissen natürlich nichts von den geschmacklichen Eigenheiten der Häuslerschen Erzeugnisse, wissen aber um die Popularität von Apfelschaumweinen in der Folge. Schließlich wurde die Delikatesse von Deutschland aus in die ganze Welt geschickt. Hergestellt wird Apfelschaumwein (oder: sollte hergestellt werden) nach der Champagnermethode (ein Grundwein wird mit Champagnerhefen versetzt, gärt ein zweites Mal, kommt ins Rüttelpult, wird degorgiert).
Im niederschlesischen Grünberg lebte also besagter Erfinder und gründete eine Kellerei. 1820 stellte er seinen Apfelschaumwein her und war damit den deutschen Herstellern von Traubensekt um 8 Jahre voraus. Das Interesse an Apfelschaumweinen ging ab der Mitte der 1940er Jahre zurück, das Produkt verschwand von der Oberfläche. Erst Mitte der 1980er Jahre kam es durch die Arbeit kleiner Keltereien zu einer Renaissance, namentlich Jörg Stier (Maintal-Bischofsheim) machte sich um diese Wiedergeburt mit seinen Getränken verdient. Die Bandbreite von Perlendem und Schäumendem, die auch heute noch in diesem Betrieb hergestellt wird, ist lohnender Anreiz für einen Besuch dort.
Ein anderer Hersteller, der sein konventionelles, aber erstklassiges Apfelweinsortiment (unter anderem) mit hervorragenden Apfelschaumweinen abrundet, ist die Kelterei von Gerhard Nöll in Frankfurt. Freunden von extra trockenen Erzeugnissen sei der Apfelschaumwein in der Variante brut ans Herz gelegt, der Einsteiger und Freund von etwas mehr Restsüße entscheidet sich womöglich für den Apfelschaumwein trocken; diesen hatten wir neulich. Volle Aromen von spät geernteten Äpfeln, eine feine, toll ins Getränk eingebundene Perlage sowie eine angenehme Säure, machen dieses spritzige Getränk zu einem ausgesprochen trinkenswerten Begleiter der Weihnachtstage und -abende. Und bei 7,5 %vol darf man sich ruhig auch mal festtrinken an so einem Fläschchen.
Wir sind immer noch und jedes Mal aufs Neue total erstaunt, wie wenig die Leute im Stammland, in der Mutterstadt des Apfelweins, über den Apfelwein wissen. Im Lauf des Jahres haben wir einige öffentliche Apfelweinverkostungen durchgeführt, im großen, wie im kleinen Rahmen, bei denen wir natürlich nicht nur den für die traditionelle Apfelweinbereitung typischen, knochentrockenen, durchgegorenen, mitunter kräftige Säure führenden Standardschoppen im Gepäck hatten, sondern auch Halbtrockenes, Sortenreines, kräftig adstringierendes, perlendes-schäumendes, mit Sherryhefen versetzes, etc pp. Und obwohl kleinere Keltereien wie die von Schneider, Stier, Schuch und andere für die große Vielfalt sorgen und auch, wenn mancher schon mal die trinkenswerten Apfelsekte von Nöll oder Possmann getrunken hat:
Die Hessen kennen Ihren Apfelwein nicht und haben keine Ahnung davon, was man damit und daraus machen kann. Die erste Reaktion ist oft genug Verblüffung.
Und wenn wir den Teilnehmern dann auch noch nicht das Gerippte in die Hand drücken, sondern ein sich nach oben verjüngendes Degustations- oder wenigstens ein Weißweinglas, in dem sich die Aromen des Apfelweines selbstverständlich ganz anders mitteilen, als im nach oben sich weitenden traditionellen Apfelweinglas, haben wir die Lacher ungewollt auf unserer Seite. Der Acker ist noch lang nicht bestellt. Das mit den unterschiedlichen Gläsern kann man schnell zuhause selbst ausprobieren. Man nehme ein Geripptes und ein Weißweinglas mit Stiel, das nach oben etwas enger wird, kaufe sich einen Apfelwein oder 2 oder 3 (und das müssen keine teureren Manufakturapfelweine sein, handelsüblicher Markenapfelwein tut es vollkommen und es gibt sehr gute) und lerne kennen, was ein Glas mit einem Wein anstellt. In jedes Glas einen Schluck, vergleichen.
Einen Weißwein trinken wir doch auch nicht aus dem Wasserglas. Zumindest nicht, wenn wir ihn kennen lernen wollen. Mehr zur Verkostung bald.
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