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Die Eberesche blüht!

Die Eberesche (Sorbus aucuparia, auch als Vogelbeere bekannt) ist ein Baum, der an vielen Straßenrändern und entlang von Wegen zu finden ist. Sie kann gut 80 Jahre alt werden. Ihre Früchte sind nicht nur nicht giftig, sondern können auch zu schmackhaften Konfitüren etc. verarbeitet werden – falls man schnell genug erntet, bevor die Vögel sich über die Bäume hermachen. Die Bedeutung der Eberesche für die Apfelweinbereitung ist heute recht gering. Wer sie für die Apfelweinbereitung verwenden möchte, kommt mit einer kleinen Menge aus; Jörg Stier, einer der wenigen Kelterer, die die Frucht noch verwenden, wenn nicht der einzige, nennt eine Menge, die in eine Kinderhand passt, ausreichend für 100 Liter Apfelwein. Die gewaschenen Beeren werden direkt in den werdenden Wein gegeben. Damit die Früchte den Apfelwein mit Säuren und Gerbstoffen versehen und ihm damit Rückgrat und Stabilität verleihen können, sollten sie vor dem ersten Frost geerntet werden. Danach bauen sich Säure und Gerbstoffe ab. Aber da die Früchte in der Regel bereits im September reif sind, sollte das kein Problem sein. In Baumschulen kann man heute auch die sogenannte Mährische oder Aroma-Eberesche kaufen (Sorbus aucuparia var. edulis), deren Früchte sollen durch mehr Süße eher zum Verzehr einladen. Auch so mancher Edelbrenner greift für die Herstellung von Ebereschenbränden eher auf diese Variante zurück. Das Blatt der Eberesche ist übrigens auch essbar! Wer es etwas länger kaut, schmeckt bald dessen Süße und das marzipanähnliche Aroma.

Keltern Sie doch einfach selbst. Vorbereitung, Sortenwahl.

Es geht so einfach. Natürlich ist es jetzt noch zu früh, die geeigneten Sorten reifen noch eine ganze Weile am Baum. Aber es ist sicher kein Schaden, frühzeitig mit den Vorbereitungen anzufangen. Es gilt, ein paar Vorsichtsmaßnahmen zu treffen und sorgfältig zu arbeiten, aber das Apfelweinmachen ist wahrlich kein Hexenwerk. Und vor allem brauchen Sie kein Kaliumpyrosulfit, kein Enzym namens Pektinase, keine Nährsalze, keinen Zucker. All das und noch mehr wird einem in der allwissenden Müllhalde namens Internet immer wieder als notwendige Zutaten für einen gelungenen Apfelwein nahegelegt. Nach unserem Dafürhalten ist das Unsinn. Apfelwein ist ein Naturprodukt und so wollen wir ihn auch herstellen: natürlich. Deswegen verwenden wir selbstverständlichst auch keinen ins Tetrapak gefüllten Apfelsaft aus dem Supermarkt als Rohstoff.

Was sonst? Frisch gepressten Apfelmost natürlich. Und zwar einen von geeigneten Sorten, dann ist dieser ganze Firlefanz obsolet. Geeignete Sorten gibt es viele, Streuobstwiesen sind voll davon. Wir verwenden Sorten, die sowohl ordentlich Apfelsäure, als auch gute Gerbstoffwerte aufweisen. Ausreichender Fruchtzucker ist auch nicht schlecht, das bedeutet im Ende mehr Aroma. Wir empfehlen etwa den Boskoop (voller Name ‘Schöner von Boskoop’). Der verfügt über markante Apfelsäure und gute Fruchtzuckerwerte. Wenn Sie können, lassen Sie ihn bis Ende September am Baum reifen, das bringt beste Zucker- und Aromenwerte. Wenn Sie haben, geben Sie zum weinwerdenden Boskoopsaft frisch gepressten Saft vom Rheinischen Bohnapfel (auch toll: Zugabe von Speierling oder Mostbirnen, die den selben Zweck erfüllen). Den Bohnapfel können Sie gut bis Mitte November am Baum hängen lassen. Ein schmackhafter Speisapfel ist er dann zwar noch nicht  - zu hohe Säurewerte, plombenziehende Gerbstoffgehalte – aber er ist für die Apfelweinbereitung sehr gut geeignet. Seine Säure und Gerbstoffe sind das stabilisierende Rückgrat.