Ein Privatkelterer, der zum ersten Mal Apfelwein selbst herstellt, begnügt sich vielleicht damit, den gepressten Saft in einen Gärbehälter zu füllen und ihn im Keller über die Wintermonate vergären zu lassen. Das Ergebnis mag dann so oder so ausfallen, im nicht unwahrscheinlichen Fall weist es den einen oder anderen Fehler auf. Oft wird nicht sauber genug gearbeitet, Keller heutiger Wohnhäuser sind zu warm, auf Reinzuchthefen, Schwefelung und Analyse wird im Hobbybereich in aller Regel verzichtet. Wenn trotzdem alles gut geht: Glück gehabt. Wer weiß, ob das nochmal gelingt.
Wer dann nach ersten Erfahrungen avancieren möchte, seine Arbeit als Kelterer auf ein stabiles Fundament stellen will, der sollte sich Kenntnisse erwerben. Als ein erster Schritt sei dafür das Buch ‘Most und Apfelwein – Gärmost und Süßmost selbstgemacht’ von Karl Stückler empfohlen. Stückler, Buchautor und Lehrer für Obstbau, Obstverarbeitung und Bienenwirtschaft an der Landwirtschaftlichen Fachschule in Warth/Österreich, beschreibt in seinem Buch, was man bedenken, beachten, vermeiden und tun sollte, um am Ende einen Apfelwein zu haben, der nicht nur dem Kelterer schmeckt, sondern auch möglichst vielen anderen.
Der Autor wendet sich dabei an Hobbykelterer wie an gewerbliche Hersteller (auch unter denen gibt es genug, die offensichtlich nicht wissen, was sie tun.). Stückler setzt in seinem Buch allerdings gerade bei Privatkelterern einiges an Bereitschaft voraus, auf möglichst hohem Niveau zu arbeiten. Wenn auch etwa verschiedene Schönungs- und Harmonisierungsmaßnahmen, die Filtration und die sterile Flaschenfüllung nicht unbedingt zu den Arbeitsschritten der Hobbykelterer zählen: Die Lektüre lohnt, um den eigenen Horizont zu erweitern. Wem das allerdings alles zu hoch ist, der profitiert immer noch etwa von den Kapiteln über die Gärung, über die Schwefelung und von den Passagen über die Notwendigkeit einer analytischen Begleitung der Gärung und erfährt darin viel Wissenswertes.
Es geht so einfach. Natürlich ist es jetzt noch zu früh, die geeigneten Sorten reifen noch eine ganze Weile am Baum. Aber es ist sicher kein Schaden, frühzeitig mit den Vorbereitungen anzufangen. Es gilt, ein paar Vorsichtsmaßnahmen zu treffen und sorgfältig zu arbeiten, aber das Apfelweinmachen ist wahrlich kein Hexenwerk. Und vor allem brauchen Sie kein Kaliumpyrosulfit, kein Enzym namens Pektinase, keine Nährsalze, keinen Zucker. All das und noch mehr wird einem in der allwissenden Müllhalde namens Internet immer wieder als notwendige Zutaten für einen gelungenen Apfelwein nahegelegt. Nach unserem Dafürhalten ist das Unsinn. Apfelwein ist ein Naturprodukt und so wollen wir ihn auch herstellen: natürlich. Deswegen verwenden wir selbstverständlichst auch keinen ins Tetrapak gefüllten Apfelsaft aus dem Supermarkt als Rohstoff.
Was sonst? Frisch gepressten Apfelmost natürlich. Und zwar einen von geeigneten Sorten, dann ist dieser ganze Firlefanz obsolet. Geeignete Sorten gibt es viele, Streuobstwiesen sind voll davon. Wir verwenden Sorten, die sowohl ordentlich Apfelsäure, als auch gute Gerbstoffwerte aufweisen. Ausreichender Fruchtzucker ist auch nicht schlecht, das bedeutet im Ende mehr Aroma. Wir empfehlen etwa den Boskoop (voller Name ‘Schöner von Boskoop’). Der verfügt über markante Apfelsäure und gute Fruchtzuckerwerte. Wenn Sie können, lassen Sie ihn bis Ende September am Baum reifen, das bringt beste Zucker- und Aromenwerte. Wenn Sie haben, geben Sie zum weinwerdenden Boskoopsaft frisch gepressten Saft vom Rheinischen Bohnapfel (auch toll: Zugabe von Speierling oder Mostbirnen, die den selben Zweck erfüllen). Den Bohnapfel können Sie gut bis Mitte November am Baum hängen lassen. Ein schmackhafter Speisapfel ist er dann zwar noch nicht - zu hohe Säurewerte, plombenziehende Gerbstoffgehalte – aber er ist für die Apfelweinbereitung sehr gut geeignet. Seine Säure und Gerbstoffe sind das stabilisierende Rückgrat.
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