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Burn, Baby, Braeburn. Ein reinsortiger Apfelwein der Kelterei Herberth.

Um das einzig Negative gleich vorne weg zu sagen: Das Etikett ist gut gemeint. Pardon, aber da bestünde wirklich noch Nachholbedarf. Auch, den Apfelwein nicht als sortenrein, sondern als sortenfein zu bezeichnen: Autsch! Aber bitte, Vergebung! Les gouts et les couleurs, on ne discute pas! Ansonsten ist dieser Jahrgangsapfelwein für uns eine Wucht.

Die Kelterei Herberth ist eine in der Tradition verwurzelte Kelterei in Kronberg im Taunus, die sich aber offenbar auch neuen Strömungen zu öffnen weiß. Im Herbst liefern zahlreiche Streuobstwiesenbesitzer Äpfel ab, die neben den Äpfeln der eigenen Obstwiesen für die Produktion der Herberth-Apfelweine dienen. Natürlich wird auch manches Obst zugekauft – nicht nur die Braeburn-Äpfel, aus denen dieser wunderbare, ganz eigenständige Apfelwein gekeltert wird und die natürlich noch nicht in der für die Menge dieser Produktion benötigten Menge auf heimischen Streuobstwiesen wachsen. Wer weiß, was in 50 Jahren ist.

Als erstes fällt die schöne Farbe dieses Apfelweins auf. Schimmert das leicht rotgold? Die zugesetzte Kohlensäure bildet beim Ausschenken eine Schaumkrone, die ebenso schnell verschwindet wie sie sich gebildet hat. Die kleinen Bläschen der Kohlensäure verleihen dem Apfelwein eine zusätzliche Frische, heute ist das Zufügen von Co2 bei vielen Apfelweinen die Regel. Hier ist es fein abgestimmt geschehen.

Die Nase nimmt am stärksten die kräftigen Aromen von reifer Grapefruit wahr, auch schwarze Johannisbeere. Im Mund wiederholt sich dieser Eindruck, es kommen noch Stachelbeeren dazu, exotische Fruchtaromen, auch ganz reifer Pfirsich, und eine das ganze wunderbar stützende und hebende Säure.  Wer die mitunter uninteressant bappig, schwer und parfümiert schmeckenden Äpfel dieser Sorte aus dem Supermarkt kennt, wird überrascht sein, wozu ein Braeburn – und ein Apfelweinmacher, der etwas von seinem Beruf versteht – in der Lage ist. Wir verkaufen diesen großartigen Apfelwein im Apfelweinkontor. 6 vol%!

Die Sieger des 2. internationalen Apfelweinwettbewerbs

Beim diesjährigen internationalen Apfelweinwettbewerb, der im Rahmen der gerade zu Ende gegangenen Apfelweinmesse in Darmstadt stattgefunden hat, wurden in einer von der Weinzeitschrift ‘selection‘ und dem Verband der Hessischen Apfelwein- und Fruchtsaft-Keltereien organisierten Blindverkostung 70 Apfelweine aus Deutschland, Spanien, Kanada und Frankreich verkostet. Folgende Produkte haben am besten abgeschnitten:

Sieger in der Kategorie Apfelwein klar ist ‘Herberth’s Milder Apfelwein’ aus der Kelterei Herberth (Kronberg).

Sieger in der Kategorie Apfelwein naturtrüb ist ’Frau Rauscher Speierling Äpfelwein’ der Kelterei Possmann (Frankfurt).

Sieger in der Kategorie Apfelweincuvée, mit maximal 30% Anteil anderer Obstsorten, gewann ’Schwäbischer Most halbtrocken’ der Kelterei Auer Fruchtsäfte (Lauterstein-Weissenstein).

Sieger in der Kategorie Restsüße Apfelweine (> 20g/l Restsüße) ist ’Müller Gold Apfelwein’ der Kelterei Müller (Butzbach).

Sieger in der Kategorie Apfelschaumweine ist die Kelterei Herberth mit ’Herberth’s Apfel-Klassiker’.

Unter die zehn besten Apfelweine und Apfelschaumweine in allen Kategorien schafften es die Produkte ’Pomp Seductive Rosé’ aus der Kelterei Höhl, ’ÄppelÄngel’ aus der Immenhof-Apfelweinkelterei (Bad Soden-Neuenhain) und ’Müller Speierling Apfelwein’, aus der Kelterei Müller KG. Ebenfalls unter die Top Ten kamen ’Rapp’s No. 1 Speyerling Apfelwein’ von der Rapp’s Kelterei GmbH (Karben) sowie ’Herberth’s Pink Apple’ der Kelterei Herberth.

Verkostet wurde nach dem DLG-5-Punkte-Prüfschema, das sich auf Farbe, Aussehen, Geruch, Geschmack und auf die Harmonie des Produktes bezieht. Die Fachjury bestand aus Weinanalytikern und Getränkeforschern der Forschungsanstalt Geisenheim, Gastronomen, Kelterern, uns und anderen Fachjournalisten.

 

Schon ganz in Ordnung: Apfelweinmixgetränk

Ein bisschen skeptisch waren wir schon. Eingeschworene Verächter von Limonade in Apfelwein, Wein, Bier oder sonstwo, die wir nun einmal sind, waren wir sicher, dass das NICHTS für uns ist. Ausgeschlossen. Aber man muss auch mal über den eigenen Schatten springen, dachten wir uns.

Also haben wir uns neben einigen anderen (richtigen) Apfelweinen eine Auswahl derzeit verfügbarer Apfelweinmixgetränke besorgt und haben probiert:

Apfelwein-Grapefruit-Mix ‘Z‘ der Kelterei Höhl - Grapefruit dominiert Apfel. Keine wahrnehmbare Apfelsäure, leichte Kohlensäure, recht süß. Gut gekühlt erfrischend.

Den gleichnamigen Apfelwein-Cola-Mix aus gleichem Hause - den Geschmack kennt man von den Gummi-Colafläschchen aus der Tüte. Oder von Spezi. Einigen in der Runde  - Colaliebhaber, klar – schmeckte das tatsächlich. Ehrlich gesagt: Uns geht das zu weit.

Den Apfelwein-Grapefruit-Mix ‘Grape – AP‘ der Kelterei Müller - Man schmeckt den Apfelwein leicht durch. Grapefruitaromen eher undeutlich, leicht flüchtige Säure, ziemlich süß.

Den Apfelwein-Grapefruit-Blutorange-Mix ‘Mix 3‘ der Kelterei Rothenbücher - der herbe Kerl unter den Apfelweinmixen. Blutorange und Grapefruit deutlich, Apfel eher nicht. Aber die Säure des Apfels ist markant. Macht den Mund wässrig. Gut.

Den “Fichtekranz” genannten Apfelwein-Maracuja-Pfirsich-Mix der Kelterei Heil - deutlich reifer Pfirsich. Jemand sagt “Gummibärchen”. Leider keine Kohlensäure, die das Getränk erfrischen würde. Ist da wirklich Apfelwein drin?

Sowie dessen mit “Kräutern” versetztes Pendant - ein Begriff macht die Runde: “Almdudler”. Und: Süßer als die entsprechende Bionade.

(Beide noch nicht im Handel, wohl erst ab Mitte Juli)

Pink Apple” aus der Kelterei Herberth. Dieser ist als “Apfelweinmixgetränk” eigentlich nicht richtig kategorisiert. Es handelt sich dabei um einen rötlichen Apfelperlwein, mit Holunder versetzt - leichte Säure, weder Apfel noch Holunder sind deutlich schmeckbar. Schmeckt leicht alkoholisch. Leicht herb.

Und “Pure Cider” aus der Kelterei Possmann. Ein Mix aus Apfelwein, Apfelsaft, Kohlensäure und Zucker – Ein typischer Cider, Apfelweinig, frisch wie Saft mit reichlich Süße und wenig Alkohol. Sehr angenehm.