Ab sofort finden sich im Supermarkt die 0,5l-”Bembel With Care”-Dosen im Apfelweinregal der Rewe-Supermärkte, und bald, so angekündigt, auch in anderen Märkten. Und das nicht – weil es sich bei der Sache ja um eine odenwälder Stöffchen-Initiative handelt – lediglich ebendortselbst, sondern: hessenweit.
Die “Bembel-With-Care”-Idee, dem Apfelwein ein frischeres Image zu verpassen, sorgt schon seit einer Weile für Aufmerksamkeit und Sympathie. Der Vertrieb wuchs und wuchs, die Einigung mit der großen Supermarktkette dürfte das Sahnehäubchen auf den bisherigen Bemühungen der Initiatoren sein.
In den Dosen findet man den klaren Apfelwein der odenwäldischen Kelterei Krämer, der mit etwas mehr Süße als der nämliche Apfelwein in der Krämer-Flasche in die Dose gefüllt und mit Kohlensäure versehen wird. Eine sauergespritzte Variante sowie eine mit koffeinhaltiger Brause versetzte sind ebenfalls erhältlich.
Händlerliste unter bembel-with-care.de.
An sich ist das ja nichts Besonderes, ein sauergespritzer Apfelwein in der Dose. Es ist halt ein sauergespritzer Apfelwein in der Dose, nicht mehr und nicht weniger. Aber in diesem Fall finden wir die Idee einfach grandios, auch weil der Apfelwein genau das macht, was man von ihm erwartet: er beduselt nur sehr langsam, erfrischt und bitzelt.
Wir zitieren vom Dosenrücken: “Der 12. Mann - Die Deutsche Meisterschaft, vor 50 Jahren. Das legendäre 3:7 gegen Real Madrid. Die Weltmeister Grabowski, Hölzenbein und Andi Möller. Oder Fußball 2000 mit Uwe Bein, Anthony Yeboah und Uli Stein. Fjörtoft’s Übersteiger zum 5:1. Ohne den 12. Mann wären die Erfolge der Eintracht undenkbar. Adler-Fan, das war noch nie was für schwache Herzen, da muss man kerngesund sein. Oder Frankfurter eben. An alle 12er, dieser Schoppe ist für Euch!” Die Identifikation, die Emotion – das hat entschieden etwas. Wenngleich das Produkt vielleicht auch eher durch die Leistung der Werbeleute hinter der Verpackung zu dem geworden ist, was es ist – die Sache funktioniert und macht Spaß. Der Adlerschoppen der Kelterei Possmann hat das Zeug zum Sommerhit.
Es wurde viel gesprochen in Annelsbach in diesem Jahr. Wenig diskutiert, kaum kontrovers, so gut wie gar nicht geschimpft. Man war auf konstruktives Miteinander aus. In vielen Fragen waren Groß und Klein sich einig. Gegenseitige Wertschätzung allenthalben. Dort, wo kleine Keltereien sich regelmäßig mit den großen Betrieben in den Haaren hatten, gab es in diesem Jahr nur eines: weitgehenden Konsens. Und das ist ja auch gut.
Es wurde also viel gesprochen. Über Vielfalt. Über Image. Über Qualität. Die Vielfalt haben wir mittlerweile, da kommt kein anderes Land mit. Wo gibt es auf so wenig Platz eine so reichhaltige Palette von Apfelweinen wie in Hessen? Am Image wird gewerkelt. Diverse Keltereien setzen auf milde Apfelweine, stattliche & elegante Ausstattungen, Premiumschaumweine etc fürs Sortiment. Das kommt an und funktioniert auch gut. Trotzdem ist das staubige Image eine harte Nuss, es wird seine Zeit dauern, sie zu knacken. Falls es klappt. Das größte Problem: Die Qualität. Verkostungen ergeben regelmäßig, dass kleine wie große Kelterein Qualitätsprobleme haben. Natürlich bei weitem nicht alle, aber dennoch zu viele. Hefeböxer, Essigstich und andere Gärfehler sind bei weitem nicht die Domäne kleiner Keltereien. Das bringen in erstaunlicher Kontinuität auch die Großen hin. Offenbar schützen ein Studium der Getränketechnologie, das Abgucken der Kellertechnik der Winzer und andere profunde Wege der Wissensaneignung nicht davor im Apfelweinkeller kapitale Fehler zu machen. Es ist hohe Zeit für eine ehrliche Debatte über mangelhafte Qualität. Denn die prägt – vor allem anderen – das Image, mit dem die Branche zurecht kommen muss. Vielfalt gibt es genug, jetzt muss um Qualität gerungen werden.
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