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Der Apfelwein für den 12. Mann. Possmanns Adlerschoppen.

An sich ist das ja nichts Besonderes, ein sauergespritzer Apfelwein in der Dose. Es ist halt ein sauergespritzer Apfelwein in der Dose, nicht mehr und nicht weniger. Aber in diesem Fall finden wir die Idee einfach grandios, auch weil der Apfelwein genau das macht, was man von ihm erwartet: er beduselt nur sehr langsam, erfrischt und bitzelt.

Wir zitieren vom Dosenrücken: “Der 12. Mann - Die Deutsche Meisterschaft, vor 50 Jahren. Das legendäre 3:7 gegen Real Madrid. Die Weltmeister Grabowski, Hölzenbein und Andi Möller. Oder Fußball 2000 mit Uwe Bein, Anthony Yeboah und Uli Stein. Fjörtoft’s Übersteiger zum 5:1. Ohne den 12. Mann wären die Erfolge der Eintracht undenkbar. Adler-Fan, das war noch nie was für schwache Herzen, da muss man kerngesund sein. Oder Frankfurter eben. An alle 12er, dieser Schoppe ist für Euch!” Die Identifikation, die Emotion – das hat entschieden etwas. Wenngleich das Produkt vielleicht auch eher durch die Leistung der Werbeleute hinter der Verpackung zu dem geworden ist, was es ist – die Sache funktioniert und macht Spaß. Der Adlerschoppen der Kelterei Possmann hat das Zeug zum Sommerhit.

 

Der Annelsbacher Apfelweintag 2010 – Ein Fazit.

Es wurde viel gesprochen in Annelsbach in diesem Jahr. Wenig diskutiert, kaum kontrovers, so gut wie gar nicht geschimpft. Man war auf konstruktives Miteinander aus. In vielen Fragen waren Groß und Klein sich einig. Gegenseitige Wertschätzung allenthalben. Dort, wo kleine Keltereien sich regelmäßig mit den großen Betrieben in den Haaren hatten, gab es in diesem Jahr nur eines: weitgehenden Konsens. Und das ist ja auch gut.

Es wurde also viel gesprochen. Über Vielfalt. Über Image. Über Qualität. Die Vielfalt haben wir mittlerweile, da kommt kein anderes Land mit. Wo gibt es auf so wenig Platz eine so reichhaltige Palette von Apfelweinen wie in Hessen? Am Image wird gewerkelt. Diverse Keltereien setzen auf milde Apfelweine, stattliche & elegante Ausstattungen, Premiumschaumweine etc fürs Sortiment. Das kommt an und funktioniert auch gut. Trotzdem ist das staubige Image eine harte Nuss, es wird seine Zeit dauern, sie zu knacken. Falls es klappt. Das größte Problem: Die Qualität. Verkostungen ergeben regelmäßig, dass kleine wie große Kelterein Qualitätsprobleme haben. Natürlich bei weitem nicht alle, aber dennoch zu viele. Hefeböxer, Essigstich und andere Gärfehler sind bei weitem nicht die Domäne kleiner Keltereien. Das bringen in erstaunlicher Kontinuität auch die Großen hin. Offenbar schützen ein Studium der Getränketechnologie, das Abgucken der Kellertechnik der Winzer und andere profunde Wege der Wissensaneignung nicht davor im Apfelweinkeller kapitale Fehler zu machen. Es ist hohe Zeit für eine ehrliche Debatte über mangelhafte Qualität. Denn die prägt – vor allem anderen – das Image, mit dem die Branche zurecht kommen muss. Vielfalt gibt es genug, jetzt muss um Qualität gerungen werden.

Des einen Freud´

Die Freude der Kelterer war in diesem Jahr, als es an die Ernte ging, und die Qualität der Äpfel feststand, einhellig groß. Ein üppiges Apfeljahr versprach randvolle Tanks, die Ballance aus Sonnen- und Regentagen zur richtigen Zeit wurde als optimal beschrieben, die Behangdichte der Bäume ebenfalls. Es gab nicht nur außerordentlich viele, sondern auch wohlschmeckende Äpfel. Zucker und Säure ausgewogen. Außerdem kam es Gott sei Dank – anders als etwa im Vorjahr – nicht zur Invasion der Frostspanner, jener gefräßigen Räupchen, die einer Ernte arg zusetzen können. Kurz und knapp: Das Apfeljahr war gut. Die Weine, die in den Tanks der Keltereien liegen, versprechen viel.

Anders ist es bei den Winzern im Rheingau. “Das trübste Jahr seit 1998” wird befürchtet, zu viel Kühle in den Frühlingsmonaten, wenig Sonnentage im Sommer für die volle Entfaltung der Zuckerwerte in den Weinbeeren, zu viel Sommerregen, wegen hoher Niederschläge und viel Luftfeuchtigkeit stagnierte im wichtigen Monat Oktober das Mostgewicht zwischen 80 und 85 Grad Oechsle. Für Rheingauweine nicht ideal.

Wir erlauben uns an dieser Stelle den Vergleich von Äpfeln mit Trauben und empfehlen auch den eingefleischten Weinfexen, im nächsten Jahr den ein oder anderen Apfelwein zu versuchen. Der Möglichkeiten sind genug.