Schlagwort-Archiv: Sidra Asturien

Von Frankfurt nach Gijon

Apfelwein ist ein Getränk, dass in vielen Teilen der Welt hergestellt und getrunken wird. Überall haben sich im Lauf der Zeit eigene Traditionen herausgebildet, die leidenschaftlich gepflegt werden, für die gestritten und gekämpft wird. In Frankfurt haben wir etwa die Bembel und die Gerippten &c, in der Bretagne ist es die Bol für den Cidre, und die Briten, etwa in Somerset, kennen neben vielem anderen den druidischen Apfelbaumsegen Wassail.  In der jeweiligen Kultur – auch der kulinarischen – , die sich um Apfelwein, Cidre, Cider und co ausgebildet hat, zeigt sich die Vielfalt Europas, seine Einigkeit wie seine schönen regionalen Eigenheiten.

Eine sehr reizvolle Apfelweinkultur konnten wir just während unserer Reise nach Asturien in Nordspanien kennen lernen. Die dortige Apfelweinhauptstadt heißt Gijon, sie liegt am Atlantik, ist eine richtige Perle, und weist derart viele Apfelweinwirtschaften auf (rund 300!), dass wir dort nur neidvoll hinblicken können. Apfelwein heißt dort Sidra, ist weiblich, die entsprechenden Wirtschaften heißen Sidreria, und es ist bei weitem nicht so, dass es nur eine Handvoll Keltereien gäbe, die diese belieferten: Etwa 26 Keltereien sind es in Gijon und Umgebung, etwa 100 Keltereien sind es (die größten sind Trabanco und el Gaitero), die in Asturien Äpfel pressen, gären lassen und in der Regel die einfache, aber zumeist köstliche Sidra Natural daraus machen. Andere asturische Städte, die eine große Bedeutung für die Sidra haben, sind Villaviciosa und Nava.

Fremde Federn, Teil 1: Bembel hier und dort. Die Schankgefäße in der europäischen Apfelweinkultur. Von Eduardo Coto

Seit meiner Ankunft in Frankfurt bin ich mit den Gebräuchen rund um den Apfelwein in Kontakt. Was mich dabei von Anfang an am meisten fasziniert hat, ist der Bembel. Mit ihm kann man eine Reise in die Vergangenheit des Apfelweines und in die verschiedenen europäischen Regionen unternehmen, in denen man Krüge aus Holz oder Keramik benutzte, um dieses Getränk zu servieren.

In meiner Heimat Asturien hießen die Gefäße “Zapica“ oder “Canada“, beide waren aus Holz. Es wurden auch Keramikkrüge verwendet, die heute sehr schwer zu finden sind. Sie werden nur noch von wenigen Handwerkern hergestellt, die mit der traditionellen Herstellung dieser Krüge vertraut sind. Aber nicht nur in Asturien wurde der Apfelwein traditionell im Krug serviert, auch im Baskenland wurde die “Sagardoa“, so wird der Apfelwein dort genannt, in Krüge verschiedener Größen gefüllt. Jede Größe hatte einen eigenen Namen, die “Pitxerdi“ für einen Liter, die “Pinterdi“ für den halben Liter, die “Txikia“ für den viertel Liter und die “Txikierdi“ für einen achtel Liter. In der Bretagne verwendete man traditionell den „Pichet á cidre et bolée“, der Krug war entweder aus Holz oder Keramik. Die dazu passende Tasse, le bol, ist heute noch weit verbreitet und ist nach wie vor ein Erkennungszeichen der bretonischen culture de cidre. In England gab es die “Cider Jugs“, bauchige Tonkrüge mit Henkel, die verkorkt werden konnten. Die „Cider Mugs“, große Cider-Tassen, werden heute noch von Kunsthandwerkern hergestellt. Man sieht, der Bembel und seine regionalen Varianten sind in vielen Regionen Europas ein wichtiger Bestandteil der traditionellen Apfelweinkultur. Aber in keiner Region ist der Apfelweinkrug auch heute noch so gegenwärtig wie im Großraum Frankfurt, der Bembel. Hier gehört er zum Apfelwein wie das Amen in der Kirche.